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Tertullian († um 220) - Über den weiblichen Putz (De cultu feminarum)
Buch 1

8. Kap. Was Gott geschaffen hat, darf man nicht künstlich umgestalten, noch auch die Dinge anders gebrauchen, als wozu Gott sie bestimmt hat.

Ebenso werden bei ihnen die wegen ihrer Farbe geschätzten Kleider von Sklaven getragen. Sogar den Wänden dienen mißbräuchlich die purpurroten, die [S. 184] himmelblauen und die sogenannten Königsteppiche anstatt der Tünche, während Ihr sie mühsam auseinandertrennt und anders verwendet, Purpur ist bei ihnen wohlfeiler als Rötel. Wie könnten Kleider also eine rechtmäßige Wertschätzung beanspruchen wegen der erborgten, ihnen nicht zukommenden Farben? Gott hat an nichts Wohlgefallen, was er nicht selber hervorgebracht hat. Konnte er nicht auch purpurrote oder stahlblaue Schafe erschaffen? Wenn er es vermochte [und nicht tat], so hat er es eben nicht gewollt; was Gott aber nicht machen wollte, das darf man auch nicht machen, Gebilde, welche nicht von Gott sind, dem Urheber der Natur, sind also nicht von Natur die besten. Unter diesen Umständen erkennt man, daß sie vom Teufel, dem Verfälscher der Natur kommen. Denn was nicht von Gott ist, kann von keinem ändern herrühren. Was nicht von Gott kommt, muß notwendig von dessen Widersacher kommen. Außer dem Teufel und seinen Engeln gibt es aber keinen Widersacher Gottes, Im übrigen aber, obschon jene Gegenstände selbst wirklich aus Gott sind, so sind es nicht gleich auch die genannten Anwendungen derselben seitens der Menschen. [Es fragt sich auch, woher die Muscheln kommen, nach wessen Anordnung sie zum Putz dienen und worin ihre Schönheit bestehe]1. Denn die sämtlichen profanen Vergnügungen der heidnischen Schauspiele, wie wir in dem sie behandelnden Buche gesagt haben, sowie die Idololatrie selbst kommt nur zustande mit Hülfe von Dingen, die Gott angehören. Darum darf aber doch der Christ nichts mit der Raserei des Zirkus, den Grausamkeiten der Arena und den Schändlichkeiten der Bühne zu tun haben, obschon das Pferd, der Panther und die menschliche Stimme Gaben Gottes sind, ebensowenig als er darum ungestraft Idololatrie begehen darf, weil der Weihrauch, der Wein und das Feuer, welches verzehrt, und die Tiere, welche geopfert werden, Geschöpfe Gottes sind; denn sogar die Materie, die angebetet wird, ist Gottes. [S. 185] So verhält es sich also auch inbetreff der Anwendung der Materie; der Ursprung der Materie von Gott entschuldigt sie nicht2, weil die Anwendung nicht von Gott herstammt und schuldig ist der eitlen Ruhmsucht dieser Welt.

1: Diesen Satz hat Öhler aufgenommen. Andere Herausgeber lassen ihn als Einschiebsel weg. In der tat stört er auch etwas den Zusammenhang.
2: Die Lesarten sind an dieser Stelle schwankend. Die Emendation von Rigaltius kommt wohl dem Richtigen am nächsten. Es scheint, daß eine Negation vor oder hinter excusat ausgefallen ist.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger