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Athenagoras (2. Jhd.)
Apologeten, Frühchristliche

Über die Auferstehung der Toten
(De Resurrectione)

[S. 328] 1.

Neben jeder Lehre und Beweisführung, die in diesen Dingen das Richtige trifft, sproßt auch die eine oder andere Irrlehre auf, aber nicht aus irgendeinem Prinzip geht diese hervor und mit Naturnotwendigkeit, auch ergibt sie sich nicht aus dem Begriffsinhalt der jeweils behandelten Sache, sondern sie wird absichtlich beigebracht von Leuten, die es für rühmlich halten, zur Zerstörung der Wahrheit frevelhafte Lügensaat auszustreuen. Dies kann man zunächst an denen sehen, die sich schon in früherer Zeit mit solchen Fragen beschäftigt haben, und an den Widersprüchen, in die sie mit den noch älteren und mit ihren Zeitgenossen geraten sind, und nicht zum wenigsten gerade an der Verwirrung, die auf dem in Frage stehenden Gebiete herrscht. Keinen richtigen Gedanken gibt es, den solche Leute nicht bestritten hätten: nicht die Wesenheit Gottes, nicht sein Wissen und Wirken verschonten sie mit ihren boshaften Angriffen, nicht die hieraus in logischer Kette abgeleiteten Wahrheiten, die uns zu einem Gott wohlgefälligen Leben anleiten; während die einen auf die Wahrheit in solchen Dingen ein für allemal verzichten, drehen andere sie nach ihrem eigenen Kopfe und wieder andere liefern selbst das Evidente der Skepsis aus. Daher müssen meines Erachtens diejenigen, die sich mit einem derartigen Stoffe beschäftigen, eine doppelte Methode anwenden, eine apologetische, welche die Wahrheit gegen Angriffe in Schutz nimmt, und eine dogmatisch-spekulative, welche sich mit der Wahrheit selbst beschäftigt; erstere wendet sich dann an die Ungläubigen und Zweifler, letztere an alle, die guten Willens sind und die Wahrheit gerne aufnehmen. [S. 339] 1 Deshalb muß ein jeder, der über ein solches Thema schreiben will, das jeweilig vorliegende Bedürfnis prüfen und darnach seine Ausführungen bemessen; dabei kann er die Reihenfolge der Gedanken nach Bedarf abändern; auch soll er nicht dadurch, daß er offensichtlich immer den nämlichen Ausgangspunkt festhält, das Zweckdienliche und die einem jeden Gedanken zukommende Stelle außer acht lassen. In Hinsicht auf Begründung und natürliche Folgerichtigkeit ist freilich jedesmal das dogmatisch-spekulative Verfahren dem apologetischen vorzuziehen; aber umgekehrt liegt die Sache, wenn man das praktische Bedürfnis ins Auge fast. Auch der Landmann kann wohl nicht den Samen in die Erde streuen, ohne zuvor das Unkraut und alles, was der edlen Saat hinderlich ist, entfernt zu haben; ebensowenig wird ein Arzt einem heilungsbedürftigen Körper eine seiner gesunden Arzeneien einflößen, bevor er ihn von dem vorhandenen Krankheitsstoff gereinigt und von hinzukommendem bewahrt hat. So kann auch der Lehrer der Wahrheit, wenn er über die Wahrheit sprechen will, niemand überzeugen, solange im Denken der Hörer eine falsche Meinung versteckt liegt und seinen Worten entgegensteht. Daher lassen auch wir aus praktischen Gründen den dogmatisch-spekulativen Erörterungen öfters apologetische vorangehen. Dieses Verfahren scheint auch jetzt, wo wir von der Auferstehung reden wollen, im Hinblick auf das Bedürfnis gar wohl am Platze zu sein. Denn es entgeht uns nicht, daß auch auf diesem Gebiete die einen ganz ungläubig sind, andere noch zweifeln und selbst von denen, die die Grundlagen schon angenommen haben, manche gleich den Zweiflern schwanken. Was aber das Widersinnigste ist, ist dies, daß sie solches tun, obschon die Sache selbst ihnen nicht den geringsten Anlaß zum Unglauben bietet und sie keinen triftigen Grund für ihren Unglauben oder Zweifel angeben können.

1: [sic, die falsche Seitenzählung entspricht der Vorlage]

 

 

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Einleitung zu Athenagoras' Auferstehung der Toten

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger