Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

36.

Und wer erst, der an eine Auferstehung glaubt, wird sich für Leiber, die einst auferstehen sollen, zur Grabstätte darbieten? Denn es wäre wieder nicht konsequent, eine Auferstehung unserer Leiber zu erwarten und Leiber zu verzehren, wie wenn sie nicht zur Auferstehung bestimmt wären, oder zu glauben, daß zwar die Erde ihre Toten wieder herausgebe, daß aber die nicht zurückgefordert werden, die einer in sich selbst vergraben hat. Umgekehrt. Wer da glaubt, er brauche keine Rechenschaft zu geben, ob sein Leben in dieser Welt gut oder schlecht war, und es gebe keine Auferstehung, ja mit dem Leibe vergehe auch die Seele in der Weise eines Erlöschens, von einem solchen Menschen ist zu erwarten, daß er sich wohl keines Frevels enthält. Wir dagegen, die überzeugt sind, daß bei Gott nichts ungeprüft bleibt und daß der Leib, wenn er den unvernünftigen Trieben und Begierden der Seele gedient hat, auch an der Strafe teilnehmen muß, wir haben allen Grund, auch die kleinste Sünde zu verabscheuen. Wenn es aber dem einen oder andern eine [S. 325] gar törichte Rede dünkt, daß der verweste, aufgelöste und zerstörte Leib wieder zusammenkommt, so dürfte dieser Umstand, nämlich daß es Ungläubige gibt, noch kein genügender Grund sein, uns der Schlechtigkeit zu zeihen; man könnte uns höchstens Torheit vorwerfen. Denn wären unsere Grundsätze auch ein Werk der Selbsttäuschung, so würden sie doch niemand wehe tun. Da aber nicht nur nach unserer Lehre, sondern auch nach der Meinung vieler Philosophen die Leiber auferstehen werden, so ist hier nicht der Ort, Beweise hiefür beizubringen, damit wir nicht Dinge hereinziehen, die außerhalb unseres Programms liegen, indem wir etwa reden würden von dem Geistigen und von dem Sinnlichen und von der Zusammensetzung dieser beiden, oder davon, daß das Unkörperliche älter ist als das Körperliche und das Geistige früher als das Sinnliche, obwohl wir auf das Sinnliche zuerst stoßen; die Leiber aber bestehen teils aus dem Unkörperlichen, insofern das Geistige erst hinzutritt, teils aus dem Sinnlichen. Nach Pythagoras und Plato steht nämlich nichts im Wege, daß die Leiber, wenn sie sich aufgelöst haben, aus denselben Prinzipien, aus denen sie ursprünglich entstanden sind, abermals entstehen. Der Beweis für die Auferstehung sei jedoch zurückgestellt.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu Athenagoras' Bittschrift für die Christen
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . 20.
. . 21.
. . 22.
. . 23.
. . 24.
. . 25.
. . 26.
. . 27.
. . 28.
. . 29.
. . 30.
. . 31.
. . 32.
. . 33.
. . 34.
. . 35.
. . 36.
. . 37.

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger