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Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

35.

Welcher Verständige sollte nun uns, Leute von solchen Grundsätzen, noch des Menschenmordes bezichtigen? Man müßte ja, um Menschenfleisch essen zu können, zuvor einen Menschen töten. Wie sie nun im ersten Stücke lügen, so auch im zweiten. Fragt man sie, ob sie denn schon gesehen haben, was sie behaupten, so hat keiner die Frechheit, ja zu sagen. Und doch haben wir auch Sklaven, die einen mehr, die andern weniger, vor denen man nicht verborgen bleiben kann. Aber selbst aus diesen hat noch nie einer so etwas uns auch nur angedichtet. Wie könnte auch einer von Leuten, die es nicht einmal über sich bringen, bei einer gerechten Tötung zuzusehen, Menschenmord und Menschenfraß aussagen? Wer rechnet die Gladiatorenspiele und Tierkämpfe, besonders die von Euch veranstalteten, nicht zu den Dingen, die eifrige Beachtung verdienen? Doch macht es nach unserer [S. 324] Auffassung keinen großen Unterschied, ob man bei einer Tötung zuschaut oder sie selbst vollzieht, und deshalb haben wir den Anblick solcher Szenen verboten. Wie sollten also wir, die nicht einmal zusehen, damit uns nicht Blutschuld und Frevel beflecke, jemand töten können? Wie sollten wir, die da behaupten, daß jene Frauen, die zur Herbeiführung eines Abortus Medikamente anwenden, Menschenmörderinnen sind und sich einst bei Gott darüber zu verantworten haben, Menschen umbringen können? Es wäre doch sehr inkonsequent zu behaupten, auch der Embryo sei schon ein Mensch und Gegenstand göttlicher Fürsorge, und ihn dann, wenn er das Licht der Welt erblickt hat, zu töten; und die Aussetzung eines Kindes zu verbieten, weil Kindsaussetzung einem Kindsmorde gleichkommt, dasselbe aber dann, wann es herangewachsen ist, zu beseitigen. Wir sind aber in jeder Hinsicht und in allen Dingen sehr konsequent; denn wir sind Diener der Vernunft, nicht Verdreher derselben.

 

 

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Einleitung zu Athenagoras' Bittschrift für die Christen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger