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Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

33.

Da wir also Hoffnung auf ein ewiges Leben haben, so erstreckt sich unsere Weltverachtung selbst auf solche Genüsse, die nur in Vorstellungen bestehen. Jeder von uns hat auch nur ein Weib, das er nach den von uns aufgestellten Gesetzen geehelicht hat, und zwar nur zum Zwecke der Kindererzeugung. Denn wie der Landmann, wenn er die Saat dem Schoße der Erde anvertraut hat, den Erntetag abwartet, ohne neue Saat [S. 322] auszustreuen, so hat auch bei uns die Begierde ihr Ziel in der Kindererzeugung. Indes kann man unter unseren Glaubensgenossen viele finden, Männer und Frauen, die alt werden, ohne zu heiraten, in der Hoffnung auf um so innigeren Verkehr mit Gott. Wenn das Verharren im jungfräulichen Stande beide Geschlechter Gott näher bringt, wenn schon ein Gedanke oder eine Begierde von ihm wegführt, so verabscheuen wir noch viel mehr die Vollbringung dessen, was wir uns nicht einmal zu denken erlauben. Denn nicht im Aussinnen schöner Sprüche besteht unser Leben, sondern in der Ausführung schöner Taten und in der Anleitung hiezu, auf daß ein jeder bleibe, wie er geboren ist, oder nur einmal sich vereheliche. Denn die zweite Ehe ist nur ein verbrämter Ehebruch. „Denn wer sein Weib entläßt,“ sagt unser Lehrer, „und eine andere heiratet, bricht die Ehe“ 1; es ist also keinem gestattet, diejenige zu verlassen, deren Jungfrauschaft er aufgehoben, und eine zweite Heirat einzugehen. Wer sich nämlich seines ersten Weibes entledigt (und eine andere heiratet), ist ein versteckter Ehebrecher, selbst dann noch, wenn jene gestorben ist. Denn er übertritt die Anordnung Gottes, der im Anfang nur einen Mann und nur ein Weib bildete, und löst jenes einigende Band, das zum Zwecke eines geordneten Geschlechtsverkehrs zwischen Fleisch und Fleisch geknüpft ist.

1: Matth. 19,9.

 

 

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Einleitung zu Athenagoras' Bittschrift für die Christen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger