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Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

26.

Wer also die Leute zu den Götterbildern hinzieht, sind die Dämonen, die sich an das Blut der Opfertiere herandrängen und von ihnen naschen. Die Götter des Volksglaubens dagegen sind, wie ihre Geschichte zeigt, vormals Menschen gewesen. Daß nun die, welche hinter den Namen Deckung 1 suchen, Dämonen sind, wird durch die Wirkungsweise der einzelnen bestätigt. Die einen verlangen Entmannung, so im Rheakult, andere Schläge und Einschnitte, so im Artemiskult; die taurische Artemis tötet sogar die Fremden; ich will nicht reden von denen, die sich mit Messern und Geißeln zerfleischen, auch nicht von den verschiedenen Arten der Dämonen; denn es ist Gottes unwürdig, Anregung zu Widernatürlichem zu geben.

„Der Dämon blendet, wenn er Unglück bringen will,
Zuvor des Menschen Sinn“ 2

[S. 312] Aber Gott ist vollkommen gut und tut ewig nur Gutes. Daß die in den Bildern Wirkenden andere sind als die, zu deren Ehren man die Bilder errichtet, dafür liefern Troas und Parion den schlagendsten Beweis. Troas hat Bilder des Neryllinos, der ein Zeitgenosse von uns ist; Parion hat Bilder des Alexander und des Proteus; von Alexander befindet sich jetzt noch auf dem Marktplatze Grab und Bild. während nun die übrigen Neryllinosbilder nur zum Schmucke der Stadt dienen, wofern überhaupt solches einer Stadt Schmuck verleiht, steht eines in dem Rufe, daß es weissage und Kranke heile. Deshalb bringen die Leute von Troas dieser Statue Opfer dar, salben sie und setzen ihr goldene Kränze auf. Was die Statuen des Alexander und des Proteus betrifft (letzterer hat sich, wie Ihr wohl wißt, bei Olympia ins Feuer gestürzt), so soll die des Proteus ebenfalls weissagen, und der des Alexander („Unglücks-Paris, allerschönster, weibertoller" 3) bringt man öffentliche Opfer dar und feiert sie wie einen Gott, der erhört hat. Sind es nun Neryllinos, Proteus, Alexander, die solches bei den Bildern wirken? Oder tut dies etwa die materielle Zusammensetzung der Bilder? Aber die Materie ist Erz. Was vermag das Erz aus sich selbst? Man kann ihm ja wieder eine andere Gestalt geben; so hat Amasis nach dem Berichte des Herodot aus einem Fußbecken ein Götzenbild gemacht. Was für Heil könnten ferner ein Neryllinos, Proteus, Alexander den Kranken bringen? Was nämlich jetzt angeblich das Bild wirkt, wirkt es zu Lebzeiten des Neryllinos und selbst dann, wann dieser krank ist 4.

1: Die Dämonen treten unter dem Namen der Götter auf und sind bei den Götterbildern wirksam.
2: Scholion zu Sophokl. Antig. 620.
3: Herodot 2,172.
4: Im zweiten Jahrh. traten nach dem Muster des Apollonios von Tyana allerlei Betrüger als Wundetäter auf. So Alexander von Abonuteichos, einer Stadt Paphlagoniens, und der Kyniker Peregrinus Proteus aus Parion, einer Stadt Mysiens am Ausgange des Hellespont; den tragikomischen Tod des letzteren schildert Lukian. Von Neryllos, der in Alexandria Troas, welches auch in der Apostelgeschichte 16,11 erwähnt ist, verehrt wurde, haben wir nur durch Athenagoras Kunde und zwar bezeichnet er ihn als Zeitgenossen, was im Gegensatz zu den beiden andern Genannten, die um 170 starben, doch nur den Sinn haben kann, daß Neryllos zur Zeit der Abfassung der Apologie noch lebte.

 

 

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Einleitung zu Athenagoras' Bittschrift für die Christen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger