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Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

25.

Diese Engel nun, die aus den Himmeln gestürzt wurden und nunmehr in der Luft und auf der Erde wohnen, da sie sich zum Himmlischen nicht mehr emporschwingen können, und die Seelen der Giganten, das sind die in der Welt umherirrenden Dämonen. Die Erregungen, die sie hervorbringen, entsprechen bei den einen [den Dämonen] 1 der Natur, die sie empfangen [S. 310] haben, bei den andern [den Engeln] den Begierden, von denen sie erfaßt wurden; der Beherrscher der Materie führt, wie man unmittelbar aus Tatsachen ersehen kann, Aufsicht und Verwaltung in einer der Güte Gottes widersprechenden Weise.

„Oft schon dacht ich in meiner Seele,
Ob Zufall in den menschlichen Dingen herrscht oder ein Dämon.
Denn gegen Erwartung und gegen Recht
Kommen die einen um Haus und Hof,
Von Gott verlassen, während andere im Glücke schwelgen“ 2

Weil also gegen Erwartung und Recht die einen glücklich, die andern unglücklich sind, so konnte es sich Euripides nicht erklären, wer die Verwaltung der irdischen Dinge habe, bei der man ausrufen möchte:

„Wie sollten wir beim Anblick solcher Dinge noch
An Götter glauben oder halten ein Gesetz?“

Dies bewog auch einen Aristoteles zu dem Ausspruche, daß es für die Dinge unter dem Himmel keine Fürsorge gebe. Aber die ewige Fürsorge Gottes bleibt uns nach wie vor:

„Ob gern, ob ungern sprießt die Erde Weide mir.
Naturnotwendig, und ernährt zur Mast mein Vieh“ 3

und auch die Fürsorge für die Teile erstreckt sich tatsächlich, nicht bloß vermeintlich, auf die würdigen; auch für das übrige ist, soweit es der gemeinsame Zweck der Schöpfung fordert, durch weise Einrichtung gesorgt. Weil aber die vom feindseligen Geiste ausgehenden Erregungen und Einwirkungen besagte Unordnung hineinbringen, da sie nunmehr auch die Menschen, den einen so, den andern anders, bald einzelne, bald ganze Völker durch geteilten oder gemeinschaftlichen Ansturm, je nach dem Verhältnisse eines jeden zur Materie und nach dem Grade seiner Empfänglichkeit fürs göttliche, innerlich und äußerlich in Erregung versetzen, so haben [S. 311] einige und zwar Autoritäten gemeint, daß das Universum nicht auf einer Ordnung beruhe, sondern der Tummelplatz blinden Zufalls sei; sie haben dabei übersehen, daß von all den Dingen, von denen eigentlich der Fortbestand der Welt abhängt, kein einziges ungeordnet und vernachlässigt ist, sondern ein jedes eine vernünftige Einrichtung zeigt, so daß sie die ihnen gesetzte Ordnung nicht überschreiten. Auch der Mensch, wie er aus des Schöpfers Hand hervorging, ist ein wohlgeordnetes Wesen, mag man nun die Art und Weise seiner Entstehung betrachten, die einen einheitlichen, für alle gültigen Plan aufweist, oder sein organisches Wachstum, welches das hiefür maßgebende Gesetz nicht überschreitet, oder das Ende des Lebens, das gleich und gemeinschaftlich bleibt für alle. Aber nach seiner eigenen individuellen Vernunft und nach der Einwirkung jenes drängenden Herrschers und seines Dämonengefolges wird der eine so, der andere anders beeinflußt und erregt, obschon die Fähigkeit vernünftigen Denkens allen in gleicher Weise innewohnt.

1: Die eingeklammerten Zusätze erscheinen als Interpolationen; jedenfalls müßte es statt Dämonen „Giganten“ heißen.
2: Euripidesfragment.
3: Eurip. Kykl. 332.333.

 

 

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Einleitung zu Athenagoras' Bittschrift für die Christen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger