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Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

17.

Und nun in Kürze noch folgende Betrachtung! Der Apologet muß nämlich noch deutlichere Beweise dafür beibringen, daß die Namen (der Götter) neueren Datums sind und daß die Bilder sozusagen erst gestern und vorgestern entstanden sind. Freilich wißt Ihr selbst das besser, da Ihr Euch gründlich und mehr als alle andern mit dem Altertum beschäftigt. Ich stelle also den Satz auf: Orpheus, Homer und Hesiod sind es, die das, was sie Götter nennen, in Genealogien eingeteilt und mit Namen bezeichnet haben. Dies bezeugt auch Herodot: ,,Hesiod und Homer sind nach meiner Schätzung vierhundert Jahre älter als ich, nicht mehr; sie sind es, die den Griechen eine Theogonie gegeben haben, indem sie die Götter mit Namen benannten, Ehren und Künste an sie verteilten und ihre Gestalten beschrieben“ 1. Solange es noch keine aus Thon bildende, keine malende und keine statuenschaffende Kunst gab, kamen die Bilder überhaupt nicht in Betracht. Später wurde es anders; es traten Saunas aus Samos, Kraton aus Sikyon, Kleanthes aus Korinth und Kore aus Korinth (das korinthische Mädchen) auf; von Saunas, der im Sonnenschein den Umriß (die Silhouette) eines Pferdes zeichnete, wurde die Schattenzeichnung erfunden, von Kraton, der auf eine weiße Tafel die Schattenbilder eines Mannes und einer Frau mit Farbe auftrug, die Malerei, vom Mädchen Kore die Koroplastik (Terrakottabildnerei); sie zeichnete nämlich das Schattenbild ihres schlafenden Geliebten auf eine Wand, worauf ihr Vater, welcher in Ton arbeitete, die Zeichnung aushöhlte und mit Lehm füllte; der Abdruck wird heute noch in Korinth aufbewahrt. Auf diese folgten Daidalos, Theodoros und Smilis und [S. 294] erfanden weiterhin die statuenschaffende und bildende Kunst. Die Zeit also für die Bilder und für die Entstehung der Götterstatuen ist so kurz bemessen, daß man den Verfertiger eines jeden Gottes angeben kann. Die Statue der Artemis zu Ephesus und die der Athene (richtiger Athele; denn es war eine Athele, wie diejenigen sagen, die mit den Mysterien besser bekannt sind; so hieß nämlich die alte Statue aus Olivenholz) und die Thronende (Athene) hat Endoios geschaffen, ein Schüler des Daidalos; der Pythier (Apollon) ist eine Schöpfung des Theodoros und Telekles, der Delier (Apollon) und die Artemis sind Werke des Tektaios und Angelion; die samische und argivische Hera gingen aus der Hand des Smilis hervor; [von Pheidias stammen die übrigen Götterbilder;] die knidische Aphrodite, die Hetäre, stammt von Praxiteles, der epidaurische Asklepios von Pheidias. Kurz, keines dieser Götterbilder kann sich rühmen, etwas anderes zu sein als Menschenwerk. Wenn sie Götter sind, warum waren sie nicht von Anfang an? Warum sind sie jünger als ihre Verfertiger? Was brauchten sie zu ihrer Entstehung menschliche Kunst? Erde sind sie und Steine und Holz und verschwendete Kunst.

1: Herodot 2,53.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger