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Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

15.

Ja selbst wenn alle die gleichen Götter hätten, was würde daraus folgen? Nachdem der große Haufe nicht unterscheiden kann, was Stoff und was Gott ist [S. 291] und wie groß der Unterschied ist zwischen beiden, und sich infolgedessen zu den aus Stoff gefertigten Götterbildern wendet, sollen darum auch wir, die wir doch das Ungewordene und das Gewordene, das Seiende und das Nichtseiende, das geistig und das sinnlich Wahrnehmbare scharf scheiden und jedem den ihm gebührenden Namen geben, die Götterstatuen besuchen und anbeten? Sind Stoff und Gott ein und dasselbe, nur zwei Namen für eine Sache, dann sind wir freilich keine Gottesverehrer, da wir Stein und Holz, Gold und Silber nicht für Götter halten. Sind aber Stoff und Gott voneinander völlig verschieden, etwa so, wie der Handwerker und das zu seinem Handwerk nötige Material, warum macht man uns dann Vorwürfe? Denn wie der Töpfer und der Lehm sich zueinander verhalten (der Lehm ist der Stoff, der Töpfer der Handwerker), so ist auch Gott der Bildner, der Stoff aber das, was ihm zu seinem Schaffen zur Verfügung steht. Wie aber der Lehm von selbst nicht zu Geschirren werden kann ohne Bearbeitung, so nahm auch die zur Aufnahme aller möglichen Formen bereitwillige Materie ohne den bildenden Gott nicht Scheidung, Gestalt und Ordnung an. Wie wir nun den Ton nicht für vornehmer halten als seinen Bearbeiter und die Schalen und Goldgefäße nicht für vornehmer als den Schmied, sondern wegen des Kunstreichen, das sich etwa an ihnen findet, den Künstler loben und eigentlich dieser den Ruhm erntet, der seinen Werken zuteil wird, so darf auch, wenn von Stoff und Gott die Rede ist, für die Ordnung in der Welt nicht der Stoff den Ruhm und die Ehre bekommen, sondern nur Gott, der Bildner des Stoffes. Wir würden daher, falls wir die stofflichen Gebilde als Götter verehrten, den Anschein erwecken, als wüßten wir nichts vom wahren Gott, wenn wir nämlich das Auflösbare und Vergängliche auf gleiche Stufe wie das Ewige stellten.

 

 

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Einleitung zu Athenagoras' Bittschrift für die Christen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger