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Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

13.

Die meisten von denen, die gegen uns (im allgemeinen) den Vorwurf des Atheismus erheben, haben keine Ahnung vom Wesen Gottes; sie haben nicht gehört und sehen auch nicht ein, wie man das Dasein Gottes aus der Natur beweist und was die Theologie darüber lehrt. Da sie infolgedessen die Frömmigkeit nur nach der Art der Opfer bemessen, so halten sie uns (speziell) zweierlei vor, nämlich daß wir nicht opfern und nicht an die nämlichen Götter glauben wie der Staat. Betrachtet mir [S. 289] nun, Herrscher, diese beiden Vorwürfe in folgender Weise, und zwar zuerst den, daß wir nicht opfern! Der Bildner und Vater dieses Alls bedarf keines Blutes und keines Fettduftes und auch keines Wohlgeruches von Blumen und Räucherwerk, da er selbst der vollkommenste Wohlgeruch ist und weder in sich selbst noch von außen her etwas mangelt. Jedoch ist es ihm das liebste Opfer, wenn wir zu erkennen suchen, wer die Himmel ausspannte und wölbte und die Erde als Mittelpunkt hinsetzte, wer das Wasser in Meeren sammelte und das Licht von der Finsternis schied, wer den Äther mit Sternen schmückte und der Erde jeglichen Samen entsprießen ließ, wer die Tiere ins Dasein rief und den Menschen bildete. Wenn wir uns also an Gott anschließen, den Bildner, der alles zusammenhält und überschaut mit jener Weisheit und Kunst, mit der er alles leitet, und heilige Hände zu ihm erheben, wie sollte er da noch einer Hekatombe bedürfen? (Von den Göttern heißt es:)

„Diese vermag durch Räuchern und demutsvolle Gelübde,
Durch Weinguß und Gedüft ein Sterblicher umzulenken,
Bittend mit Flehn, wann sich einer versündiget oder gefehlet.“ 1

(Der wahre Gott aber spricht:) „Wozu brauche ich Brandopfer, deren Gott nicht bedarf? Wozu Opfergaben, da man mir ein unblutiges Opfer schuldet, einen Gottesdienst im Geiste?“ 2

1: Hom. Il. 9,499-501; dieses und auch die übrigen Homerzitate sind wörtlich nach Voß wiedergegeben.
2: Vgl. Röm. 12,1.

 

 

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Einleitung zu Athenagoras' Bittschrift für die Christen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger