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Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

12.

Würden wir uns nun solcher Reinheit befleißen, wenn wir nicht glaubten, daß Gott über der Menschheit walte? Gewiß nicht; sondern weil wir überzeugt sind, daß wir Gott, der uns und die Welt erschaffen hat, über unser ganzes Erdenleben einst Rechenschaft geben müssen, deshalb entscheiden wir uns für das maßvolle, menschenfreundliche und unscheinbare Leben, im Glauben, daß uns hier auf Erden, selbst wenn man uns das Leben nimmt, kein Übel zustoßen wird, das so groß ist wie die Güter, die wir im Jenseits aus der Hand des erhabenen Richters für unser sanftmütiges, menschenfreundliches und anständiges Leben erhalten werden. Plato sagte 1, Minos und Rhadamanthys werden die Bösen richten und strafen, wir dagegen sagen, daß selbst ein Minos und Radamanthys und deren Vater 2 dem Gerichte Gottes nicht entgehen wird. Und da gelten dann Leute, die das gegenwärtige Leben für gleichbedeutend halten mit: ,,Lasset uns essen und trinken; denn morgen müssen wir sterben“ 3 und den Tod als einen tiefen Schlaf und als ein vollständiges Vergessen auffassen („Schlaf und Tod sind Zwillingsbrüder“ 4), [S. 288] für Gottesverehrer! Wir hingegen, die wir uns darüber klar geworden sind, daß das Erdenleben nur weniges und geringes wert ist, die wir uns einzig von der Erkenntnis des wahren Gottes und seines Wortes leiten lassen (nämlich von der Erkenntnis, welches die Einheit des Sohnes mit dem Vater, welches die Gemeinschaft des Vaters mit dem Sohne ist, was der Geist ist, was die Einigung solcher Größen und der Unterschied der Geeinigten ist, nämlich des Geistes, des Sohnes und des Vaters), die wir ferner wissen, daß das künftige Leben noch viel besser ist, als es sich mit Worten ausdrücken läßt, vorausgesetzt, daß wir von aller Ungerechtigkeit rein vor Gott erscheinen, die wir endlich bis zu dem Grade voll Menschenliebe sind, daß wir nicht nur die Freunde lieben („wenn ihr nur die liebt“, heißt es 5, „die euch lieben, und nur denen leiht, die euch leihen, welchen Lohn werdet ihr dann bekommen?“), wir sollten, nachdem wir so sind und um dem Gerichte zu entgehen so leben, nicht als Gottesverehrer gelten? Dieses Kleine aus dem Großen, dieses Wenige aus dem Vielen möge genügen, damit wir Euch nicht zu lange aufhalten; auch wer Honig oder Molken versucht, schließt von einem kleinen Teile des Ganzen auf die Güte des Ganzen.

1: Georg. 79 (p. 523 c).
2: Zeus.
3: Is. 22,13; Weish. 2,16; 1Kor. 15,32.
4: Hom. Il. 16,672.
5: Vgl. Luk. 6,32-34.

 

 

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Einleitung zu Athenagoras' Bittschrift für die Christen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger