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Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

11.

Daß ich unsere Lehre ausführlich behandle, möge Euch nicht befremden. Denn ich tue dies deswegen, damit Ihr Euch nicht von der unvernünftigen Tagesmeinung mitfortreißen laßt, sondern Einblick in die Wahrheit bekommt. Schon durch die bloßen Lehrsätze, an denen wir festhalten (diese sind eben nicht Menschenweisheit, sondern göttliche Aussprüche und Offenbarungen), können wir Euch überzeugen, daß wir keine Atheisten sind. Welches sind also unsere Lehren, in denen wir erzogen werden? „Ich sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder werdet des Vaters in den Himmeln, der seine Sonne aufgehen läßt über Böse und Gute und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte“ 1. Gestattet hier, da diese Lehre weithin hörbar mit lautem Schall ergangen ist, von der Redefreiheit Gebrauch zu machen, wie dies einer tun darf, der vor Herrschern steht, die Philosophen sind! Welche unter denen, die die Schlüsse entwickeln und die doppelsinnigen Aussprüche lösen und die Wortbedeutungen feststellen, oder unter denen, die das Homonyme und das Synonyme, die Aussageweisen und die Axiome, die Substanz und das Prädikat erklären (dabei versprechen sie, ihre Schüler durch diese und ähnliche Lehren glücklich zu machen), haben eine solche Reinheit der Seele, daß sie ihre Feinde nicht hassen, sondern sogar lieben und denen, die ihnen zuerst Schmach zugefügt haben, nicht übles nachreden (solchen Übles nur nachzureden wäre für sie schon der höchste Grad der Mäßigung), sondern sie sogar segnen und für die, welche ihnen nach dem Leben streben, sogar beten? Im Gegenteil, [S. 287] sie fragen einander immer in böser Absicht nach den obengenannten Geheimnissen aus und wollen immer etwas Böses ins Werk setzen, da sie sich kunstvolles Spiel mit Worten, aber nicht Aufzeigung von Werken zur Aufgabe gemacht haben. Bei uns dagegen könnt Ihr ungebildete Leute, Handwerker und alte Mütterchen finden, die, wenn sie auch nicht imstande sind, mit Worten die Nützlichkeit ihrer Lehre darzutun, so doch durch Werke die Nützlichkeit ihrer Grundsätze aufzeigen. Denn nicht auswendig gelernte Worte sagen sie her, sondern gute Taten zeigen sie auf: geschlagen nicht wieder zu schlagen, ausgeraubt nicht zu prozessieren, den Bittenden zu geben, die Nebenmenschen wie sich selbst zu lieben.

1: Vgl. Luk. 6,27-28; Matth. 5,44-45.

 

 

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Einleitung zu Athenagoras' Bittschrift für die Christen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger