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Tatian (2. Jdh.) - Rede an die Bekenner des Griechentums (Oratio ad Graecos)

7.

(1) Denn der himmlische Logos, als Geist vom Geiste und als Wort aus der Kraft des Wortes entsprungen 1, hat in Nachahmung des Vaters, der ihn gezeugt, zum Abbild der Unsterblichkeit den Menschen geschaffen, auf daß dieser, wie die Unvergänglichkeit bei Gott ist, ebenso, durch einen Anteil am Wesen Gottes, gleichfalls die Unsterblichkeit besitze.

(2) Nun wurde aber der Logos vor der Erschaffung der Menschen auch der Schöpfer der Engel: (3) beide Gattungen von Geschöpfen sind frei geschaffen und besitzen nicht von Natur aus das Gute, das ausschließlich in Gott allein ist, von den Menschen aber aus freier Wahl vollbracht wird 2, damit der Böse mit Recht bestraft werde, nachdem er durch seine eigene Schuld böse geworden, der Gerechte aber um seiner guten Werke willen nach Verdienst gelobt werde, weil er nach freiem Entschluß den Willen Gottes nicht übertreten hat. So verhält es sich mit den Engeln und Menschen. (4) Da aber die Kraft des Logos die Fähigkeit an sich hat, das vorauszusehen, was in Zukunft nicht durch das Fatum, sondern durch die freie Entschließung der Wählenden geschehen werde 3, so sagte er den Verlauf der kommenden Ereignisse voraus, schränkte durch Verbote die Bosheit ein und lobte diejenigen, die im Guten verharren würden. (5) Doch als die Menschen und Engel einem, der als Erstgeborener die übrigen an Verstand übertraf, scharenweise folgten und ihn, obgleich er sich wider das Gesetz Gottes aufgelehnt hatte, als einen Gott ausriefen, da stieß die Kraft des Logos sowohl den Urheber des Frevels als auch dessen Anhänger aus der Gemeinschaft mit dem Worte 4. (6) Und [S. 205] der nach dem Bilde Gottes geschaffene Mensch wurde, da der mächtigere Geist sich von ihm trennte, sterblich; der Erstgeborene aber wurde ob seiner Übertretung und Torheit zum Dämon, und aus denen, die seine Gaukeleien nachahmten 5, wurde ein Heer von Dämonen, die ihrer Unverbesserlichkeit überlassen wurden, weil sie ja freie Wesen waren.

1: Vgl. Kap. V 1.
2: * Ich ergänze die handschriftliche Lücke: ὃ (μὲν οὐκ ἔστιν ὅν) πλὴν μόνον κτλ; s. TsgA. S. 22 f.; vgl. unten Kap. XI 6.
3: * Ergänze: … τὸ προγνωστικὸν τὸ (πρὸς τὸ) μέλλον ἀποβαίνειν, s. TsgA S. 23.
4: Vgl. Kap. XX 3
5: * Tilge τούτου δὲ und lies: καὶ τοῦτον οἱ μιμησάμενοι τὰ φαντάσματα, vgl. übrigens Schwartz praef. p. VII.

 

 

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Einleitung zu Tatians Rede an die Bekenner des Griechentums
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger