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Tatian (2. Jdh.) - Rede an die Bekenner des Griechentums (Oratio ad Graecos)

30.

(1) Nachdem ich also unsere Torheiten erkannt habe, will ich sie ablegen, wie die Kinder ihre Unarten abstreifen 1. (2) Denn wir wissen, daß die Natur des Bösen der des kleinsten Samenkornes 2 gleicht, das ja schon bei geringer Veranlassung Wurzel faßt, aber wiederum ausgerodet werden wird, wenn wir dem Worte Gottes gehorchen und uns nicht selbst aus seinem Schutz verjagen 3. (3) Durch einen verborgenen Schatz nämlich ist das Wort Herr über all das Unsrige geworden 4, einen Schatz, bei dessen Ausgrabung wir zwar [S. 242] mit Staub bedeckt werden, dem Worte aber erst die Möglichkeit bieten 5, bei uns zu sein. Denn wer des Wortes ganzen Besitz erringt 6, der hat damit die Macht über den kostbareren Reichtum empfangen. (4) Dies mag indes nur für die Unsrigen gesagt sein: euch Bekennern griechischer Götterlehre aber, was soll ich euch anderes zurufen, als daß ihr die Besseren nicht schmähen noch daraus, daß sie etwa „Barbaren“ heißen, einen Anlaß zu ihrer Verhöhnung nehmen sollt! [Denn die Ursache, warum sich nicht alle Menschen in derselben Sprache verständigen können 7, werdet ihr, falls ihr wollt, ohne weiteres erfahren: wenn ihr nämlich unsere Lehren prüfen mögt, so werde ich euch darüber eine leichtfaßliche und lückenlose Erklärung geben 8.]

1: * Vgl. Koloß. 3,9; Ephes. 4,22.24 und lies: τῶν ἀπρεπῶν, s. TsgA. S. 32 ff. Puechs Darlegungen über die Stelle (Recherches S. 146, Anm. 1) konnten mich nicht eines Besseren belehren; die „Torheiten“, die wir ablegen müssen, sind die Anfechtungen der Materie, die das „Böse“ ist, vgl. Kap. XI 5 f.; XIII 4; XV 10 ff.; XVI 6; XVIII 2 f.; XX 3.
2: * Lies: τῶν βραχυτάτου σπέρματος.
3: * Joh. 10,12. Eine auffällige Parallelstelle findet sich im Euboikos des Dio von Prusa (VII) § 137: „… denn das Schlechte bleibt niemals auf demselben Punkt, sondern immer strebt und bewegt es sich vorwärts ins Schrankenlose, wenn es nicht auf eine zwingende Hemmung stößt.“ Direkte Bekanntschaft Tatians mit den Werken Dios scheint mir wahrscheinlich, vgl. zu Kap. X 2; XXIII 5; XXVIII 2.
4: Der „verborgene Schatz“ (s. Matth. 13,44), durch den „das Wort Herr über das Unsrige wird“ (vgl. Kap. VI 4), ist natürlich identisch mit „dem, was wir zwar einmal empfangen haben, aber infolge des Irrtums nicht festzuhalten vermochten“ (Kap. XXIX 4), also der „heilige Geist“, der „Gottes abgesandter“ ist: s. Kap. XIII 6; XV 7; XVI 4; vgl. XX 2; 6 f.
5: Lies mit den Handschriften: παρέσχομεν.
6: * Lies αὑτοῦ πᾶν statt αὑτοῦ πᾶς. Sinn: Nur wer des Wortes ganzen Besitz erringt, der hat damit die „Macht über den kostbareren Reichtum“, d. i. den Anspruch auf eigene Seligkeit errungen; denn jener „Funke des heiligen Geistes“, der auch noch in den Gefallenen zurückblieb, genügt nicht zur Erlangung der Seligkeit (Kap. XIII 5).
7: Vgl. Genes. 11,7.
8: S. TsgA. S. 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger