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Tatian (2. Jdh.) - Rede an die Bekenner des Griechentums (Oratio ad Graecos)

16.

(1) Aber (wohl gemerkt): die Dämonen, die mit den Menschen schalten, sind nicht die Seelen der abgeschiedenen Menschen. Denn wie sollten sie just nach dem Tode tatkräftig werden, außer man nähme an, daß der Mensch ohne Verstand und ohne Kraft ins Leben trete und erst durch den Tod eine gewisse Kraftfülle empfange. (2) Doch das stimmt nicht, wie ich anderswo bewiesen habe, und es wäre auch schwer zu begreifen, daß die ,,unsterbliche“ Seele 1 von den Gliedern des (sterblichen9 Leibes gehemmt sein und [S. 220] erst dann, wann sie sich von ihm trenne, vernünftiger werden so. (3) Die Dämonen - nicht die Seelen der Abgeschiedenen - sind es, die in ihrer Bosheit gegen die Menschen wüten und durch mancherlei verlogene Kniffe ihre Gedanken, die ohnedies am Weltlichen haften, ablenken, damit sie sich nicht mehr zur himmlischen Wanderung erheben können. (4) Doch sind einerseits uns Barbaren die irdischen Dinge nicht verborgen, andererseits werdet auch ihr das Göttliche leicht erfassen können, wenn die Kraft, welche die Seelen unsterblich zu machen vermag, zu euch kommt. (5) Aber auch von denjenigen, die dieser Kraft entbehren, werden zuweilen die Dämonen gesehen 2, wann sie sich nämlich selbst den Menschen zeigen, um als etwas zu gelten oder als schlecht gesinnte Freunde den Menschen wie Feinden etwas Übels anzutun oder um ihresgleichen Gelegenheit zu ihrer Anbetung zu geben. (6) Denn wär’s ihnen möglich gewesen, so hätten sie allerdings sogar den Himmel samt der übrigen Schöpfung zerstört: jetzt haben sie das völlig aufgegeben, denn sie vermögen es nicht, aber mittels der niederen Materie kämpfen sie wider die ihnen ähnliche Materie. Will sie daher einer besiegen, so muß er die Materie abtun 3; denn mit dem Panzer des himmlischen Geistes gewappnet wird er alles, was von diesem Panzer umschossen wird, zu retten imstande sein. 4

(7)) In der Materie an uns gibt es Krankheiten und Kämpfe. Treten sie ein, so schreiben die [S. 221] Dämonen sich die Ursachen davon zu, obwohl sie erst hinzukommen, wenn die Krankheit schon um sich gegriffen hat. Bisweilen freilich erschüttern sie auch selber durch einen Ansturm ihrer Verworfenheit den Zustand unseres Leibes; aber durch ein Machtwort Gottes getroffen, weichen sie erschreckt von hinnen und der Kranke wird geheilt 5.

1: Vgl. Kap. XIII 1.
2: Vgl. Kap. XV 9.
3: Vgl. Kap. XV 12.
4: S. Kap. XX 6 f.; Vgl. 1Kor. 15,53.54; 2Kor. 10,4; Eph. 6,11-17; 1Thess. 5,8.
5: Über christliche und heidnische Exorzismen s. die zusammenfassende Darstellung bei Wendland, Hellenistisch-römische Kultur, 2./3. Aufl. S. 216 f.

 

 

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Einleitung zu Tatians Rede an die Bekenner des Griechentums
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger