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Diognet (2. Jdh. ?) - Brief an Diognet

4. Nicht minder sind die übrigen religiösen Übungen der Juden verwerflich.

Jedoch über ihre ängstliche Vorsicht hinsichtlich der Speisen, über ihren Aberglauben betreffs der Sabbate, über ihre Prahlerei mit der Beschneidung und über ihre Heuchelei hinsichtlich der Fasten und der [S. 164] Neumondsfeier, alles Dinge, die lächerlich und nicht der Rede wert sind, verlangst du, wie ich glaube, von mir keinen Aufschluss.1 Denn wie sollte es nicht unrecht sein, von dem, was Gott zum Gebrauche der Menschen geschaffen hat, das eine als gut geschaffen anzunehmen, das andere aber als unbrauchbar und überflüssig zurückzuweisen2 und wie sollte es nicht gottlos sein, Gott zu verleumden, als verbiete er, am Tage des Sabbates etwas Gutes zu tun? Sich aber mit der Verstümmelung des Fleisches als einem Zeugnis der Auserwählung zu brüsten, als ob man deswegen von Gott ganz besonders geliebt sei, verdient das nicht Spott? Dass sie ferner beständig auf die Sterne3 und den Mond4 achten, Beobachtungen über Monate und Tage anstellen, die Anordnungen Gottes und die wechselnden Zeiten nach ihrem eigenen Gutdünken abteilen, die einen zu Festen, die andern zur Trauerfeiern5, wer möchte das für einen Beweis von Gottesfurcht und nicht vielmehr von Unverstand ansehen? Dass sich also die Christen mit Recht von dem allgemeinen Unverstande6 und Irrtum und von der jüdischen Vielgeschäftigkeit und Prahlerei fernhalten, das hast du, wie ich glaube, zur Genüge erkannt. Erwarte aber nicht, dass du das geheimnisvolle Wesen ihrer eigenen Gottesverehrung von einem Menschen erfahren kannst.

1: Vor νομίζω σε χρᾑζειν in d Handschrift ist οὐ einzusetzen.
2: Der Gegensatz gegen die jüdischen Speisegesetze macht den Verfasser zu einem Feinde allen Fastens und aller Abstinenz.
3: Die Juden begannen den Tag mit dem Anbruch der Nacht. Aber erst, wenn drei Sterne am Himmel sichtbar wurden, war man überzeugt, daß die Nacht begonnen habe; wer also Freitagabend, wenn drei Sterne am Himmel von ihm gesehen wurden, noch arbeitete, galt als Sabbatschänder; wer arbeitete nach Erscheinen zweier Sterne, mußte ein Sühneopfer darbringen für eine zweifelhafte Sünde; wer erst einen Stern sah, durfte noch arbeiten.
4: Die Juden betrachteten die Neumondstage als Feste.
5: Man denke besonders an den großen Versöhnungstag am 10. Tishri.
6: Der bei Heiden und Juden sich findet.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger