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Diognet (2. Jdh. ?) - Brief an Diognet

12. Der letzte Prüfstein der Erkenntnis ist das Leben.

Wenn ihr darauf achtet und es mit Eifer anhöret, werdet ihr inne werden, was Gott denen bietet, die ihn in rechter Weise lieben, die ihr geworden seid ein Paradies der Wonne und in euch aufsprossen lasset einen herrlich blühenden, fruchtbeladenen Baum, mit allerlei Früchten geschmückt. An diesem Orte nämlich ist ein Baum der Erkenntnis und ein Baum des Lebens gepflanzt; aber nicht der Baum der Erkenntnis tötet, sondern der Ungehorsam. Denn nicht ohne tiefern Sinn ist, was geschrieben steht, dass Gott am Anfange einen Baum der Erkenntnis und einen Baum des Lebens in der Mitte des Paradieses pflanzte: durch „Erkenntnis“ hat er das Leben angedeutet; weil die Stammeltern von ihr keinen lautem Gebrauch machten, wurden sie durch Betrug der Schlange entblösst. Denn weder gibt es Leben ohne Erkenntnis, noch sichere Erkenntnis ohne wahres Leben; deshalb sind beide nebeneinander gepflanzt worden. Im Hinblick auf die Macht dieser Verbindung tadelt der Apostel die Erkenntnis, die ohne Wahrheit der Anwendung aufs Leben geübt wird, und sagt: Die Wissenschaft bläht auf, die Liebe aber erbaut.1 Denn wer etwas zu wissen glaubt ohne wahre Erkenntnis, der auch das Leben Zeugnis gibt, der hat keine wirkliche Erkenntnis und wird von der Schlange irregeführt, weil er das Leben nicht liebte. Wer aber mit Furcht erkennt und Leben sucht, der pflanzt auf Hoffnung in Erwartung der Frucht.

Möge dir das Herz Erkenntnis und das wahre, tieferfasste Wort sein. Wenn du davon Holz trägst und Frucht nimmst, wirst du immerdar ernten, was bei Gott wohlgefällig ist, was die Schlange nicht [S. 173] berührt und kein Betrug entstellt; da wird Eva nicht verführe, sondern als Jungfrau bewährt2; es zeigt sich das Heil, die Apostel erhalten Einsicht, des Herrn Pascha kommt heran, Kerzen3 werden zusammengebracht und schmuckvoll geordnet, und der die Heiligen lehrende Logos freut sich, durch den der Vater verherrlicht wird; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.

1: 1 Kor. 8, 9.
2: ἀλλά παρθένος πισθεύεται. Dass Eva, als die Schlange sie verführte, noch eine Jungfrau gewesen sei, sagen auch Justin (dial. c. 100) und Irenäus (a. h. III 333, 4). Vielleicht aber ist an dieser Stelle des Briefes an die Jungfrau Maria zu denken.
3: So im cod. κηροὶ συνάγονται καὶ μετὰ κόσμου ἀρμόζονται. In der Osternacht wurden in der Kirche viele Lichte angezündet. Andere wollen statt κηροὶ setzen χοροί oder καιροί

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger