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Diognet (2. Jdh. ?) - Brief an Diognet

2. Torheit des Götzendienstes.

Wohlan denn, mache dich frei von allen Vorurteilen, die deinen Geist gefangen halten, lege ab die trügerische Gewohnheit und werde wie im Anfang ein neuer Mensch, da du ja auch nach deinem eigenen Geständnisse Hörer einer neuen Lehre sein wirst; schaue nicht bloss mit den Augen, sondern auch mit dem Verstande, welches Wesen und welche Gestalt die Götter haben, die ihr so nennt und an die ihr glaubt. Ist nicht der eine Stein, ähnlich dem Pflasterstein, der andere Erz, nicht besser als die zu unserem Gebrauche geschmiedeten Geräte, ein anderer Holz, das vielleicht schon faul ist, wieder ein anderer Silber, das eines menschlichen Wärters bedarf, damit es nicht gestohlen werde, der wieder Eisen, vom Rost zerfressen, der endlich gebrannter Ton, in keiner Weise edler als das gewöhnlichste [S. 162] Hausgerät?1 Besteht nicht das alles aus vergänglichem Stoff? Ist es nicht geschmiedet aus Eisen im Feuer? Hat nicht das eine davon der Steinmetz, das andere der Erzgiesser, dies der Silberschmied, jenes der Töpfer gebildet? War nicht ein jedes dieser Dinge, ehe es durch die Kunstfertigkeit jener Männer zu seiner Gestalt ausgeprägt wurde, und ist es nicht auch noch jetzt zu allem Möglichen gestaltbar? Könnten nicht die jetzt aus demselben Stoff bestehenden Geräte, wenn sie in die Hand derselben Künstler kämen, solchen (Götzenbildern) ähnlich gemacht werden? Könnten nicht wiederum diese, die jetzt von euch angebetet werden, von Menschen zu Geräten gemacht werden, ähnlich den übrigen? Sind sie nicht alle taub, nicht blind, nicht leblos? nicht ohne Empfindung und Bewegung? nicht alle der Fäulnis und der Verderbnis unterworfen? Diese nennt ihr Götter, diesen dienet ihr, sie betet ihr an und werdet ihnen schliesslich ähnlich.

Darum hasst ihr die Christen, weil sie solche nicht für Götter halten. Aber ihr, die ihr sie zu preisen vermeint, drückt ihr ihnen nicht weit mehr eure Verachtung aus? Verspottet und beschimpft ihr sie nicht weit mehr, indem ihr zwar die, welche von Stein und von Ton sind, ohne Bewachung verehrt, die silbernen und goldenen aber des Nachts einschliesst und am Tage mit Wachposten umstellt, damit sie nicht gestohlen werden? Mit den Ehrengaben aber, welche ihr ihnen darzubringen glaubt, straft ihr sie vielmehr, wenn sie Empfindung haben; sind sie aber empfindungslos, so bringt ihr ihnen das zum Bewusstsein, indem ihr sie mit Blut und Fettdampf verehrt. Das halte einer von euch aus, das lasse einer an sich geschehen! Fürwahr, auch nicht einer der Menschen wird sich eine solche unangenehme Behandlung gefallen lassen, hat er doch Empfindung und Verstand; der Stein aber nimmt sie hin, weil er empfindungslos ist; beweist ihr also nicht selbst seine Empfindungslosigkeit?2

[S. 163] Darüber, dass die Christen solchen Göttern sich nicht untertänig erweisen, könnte ich noch vieles andere sagen; sollte aber einem das Gesagte nicht hinreichend scheinen, so halte ich es für überflüssig, ihm noch mehr zu sagen.

1: Ähnlich Justin in der 1. Apologie c. 9.
2: Der letzte Satz ist als Frage, nicht (mit den Ausgaben) als Behauptung aufzufassen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger