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Justin der Märtyrer († um 165) - Zweite Apologie

12. Die Standhaftigkeit der Christen ist der beste Beweis ihrer Unbescholtenheit.

Denn auch ich selbst kam, als ich noch in Platons Lehren meine Befriedigung fand und von den verleumdeten Christen hörte, beim Anblick ihrer Furchtlosigkeit vor dem Tode und vor allem anderen, was für entsetzlich gilt, zu der Einsicht, daß sie unmöglich in Lasterhaftigkeit und Sinnenlust befangen sein könnten. Denn welcher Lüstling oder Schlemmer, der gar Menschenfleisch für einen Leckerbissen hält, könnte wohl den Tod willkommen heißen, um so seiner Genüsse verlustig zu gehen? Würde er nicht, statt sich selbst zur Hinrichtung zu melden, vielmehr um jeden Preis sein Leben hier auf immer fortzuführen und vor der Obrigkeit verborgen zu bleiben suchen? Freilich haben die bösen Dämonen jetzt durch einige schlechte Menschen auch folgendes ausführen lassen. Als diese auf Angeberei hin, wie sie gegen uns üblich ist, einige hinrichten [S. 153] wollten, ließen sie auch Sklaven der Unsrigen, junge Burschen und Mägde, zur Folter schleppen und zwangen sie durch entsetzliche Marter, jene erdichteten Dinge auszusagen, die sie selbst offen begehen, mit denen aber wir, da wir nichts davon an uns haben, nichts zu tun haben wollen; haben wir doch den ungezeugten und unnennbaren Gott zum Zeugen unserer Gedanken und Handlungen. Denn warum könnten wir nicht auch diese Dinge öffentlich für gut erklären und sie als göttliche Weisheit hinstellen, indem wir sagten, wir feierten in Menschenopfern die Mysterien des Kronos1 und wir täten, indem wir uns mit Blut berauschen, wie man uns nachsagt, das nämliche, was dem bei euch hochgeehrten Götzenbilde geschieht, das nicht bloß mit dem Blute unvernünftiger Tiere, sondern auch mit Menschenblut besprengt wird, wobei ihr den bei euch angesehensten und vornehmsten Mann es mit dem Blute der Hingerichteten begießen lasset?2 Wenn wir ferner Männer schändeten und schamlos mit Weibern verkehrten, täten wir es nur dem Zeus und den anderen Göttern nach und könnten uns dabei zu unserer Rechtfertigung auf die Schriften Epikurs und der Dichter berufen. Da wir aber solche Grundsätze und die, welche solche Untaten verübt haben und nachmachen, zu fliehen raten, wie wir auch in den hier vorliegenden Reden dagegen gestritten haben, werden wir auf allerlei Weise angefeindet; aber das ficht uns nicht an, weil wir wissen, daß ein gerechter Gott alles sieht. Möchte doch jetzt jemand eine hohe Bühne besteigen und mit mächtiger Stimme herabrufen: „Schämt euch, schämt euch, das, was ihr offenkundig tut, auf Schuldlose zu schieben, und was euch und euren Göttern anhaftet, solchen anzuheften, die auch nicht das Geringste damit zu tun haben! Ändert euch, kommt zur Besinnung!“

1: Dem Kronos (Saturn, phönizisch Moloch) wurden besonders Kinder geopfert; vgl. Tert. ap. c. 9: Infantes penes Africam Saturno immolabantur palam usque ad proconsulatum Tiberii; Min. Fel. Oct. c. 30; Diod. Sic. XIII 86.
2: Gemeint ist Jupiter Latiaris, dem man alljährlich auf dem Albanerberge durch den Konsul oder den praefectus urbi das Blut eines Hingerichteten zu trinken gab.

 

 

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Einleitung zu Justin dem Märtyrer

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger