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Justin der Märtyrer († um 165) - Erste Apologie

66. Das Wesen der Eucharistie.

Diese Nahrung heißt bei uns Eucharistie. Niemand darf daran teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur [S. 135] Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie; sondern wie Jesus Christus, unser Erlöser, als er durch Gottes Logos Fleisch wurde 1, Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir belehrt worden, daß die durch ein Gebet um den Logos, der von ihm ausgeht 2, unter Danksagung geweihte Nahrung, mit der unser Fleisch und Blut durch Umwandlung genährt wird, Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei. Denn die Apostel haben in den von ihnen stammenden Denkwürdigkeiten, welche Evangelien heißen, überliefert, es sei ihnen folgende Anweisung gegeben worden: Jesus habe Brot genommen, Dank gesagt und gesprochen: „Das tut zu meinem Gedächtnis, das ist mein Leib“, und ebenso habe er den Becher genommen, Dank gesagt und gesprochen: „Dieses ist mein Blut“, und er habe nur ihnen davon mitgeteilt. Auch diesen Brauch haben die bösen Dämonen in den Mithrasmysterien nachgeahmt und Anleitung dazu gegeben. Denn daß Brot und ein Becher Wassers bei den Weihen eines neuen Jüngers unter Hersagen bestimmter Sprüche hingesetzt werden 3, das wißt ihr oder könnt es erfahren.

1: Daß die Menschwerdung Christi das Werk des Logos sei, sagt Justinus öfters (auch c. 33 und 46); er versteht nämlich unter dem Heiligen Geiste, der auf Maria herabkam, den Logos.
2: δι᾿ εὐχῆς λόγου τοῦ παρ᾿ αὐτοῦ. Die oben gegebene Übersetzung entspricht der Erklärung Dölgers (Röm. Quartalschr. 1909, 73f.); es ist dabei zu bedenken, daß in den ältesten Liturgien, wie in der Anaphora des Serapion, der Logos, nicht der Hl. Geist, als Konsekrator angerufen wurde. Die Beziehung der obengenannten Worte Justins (δι᾿ εὐχῆς λόγου) auf die Einsetzungsworte der Eucharistie ist ganz irrtümlich; vgl. Rauschen, Eucharistie und Bußsakrament, 2. Aufl. 1910, 121f.
3: Diese Zeremonie sollte wohl andeuten, daß der in die Mysterien des Mithras Eingeweihte als Kämpfer für Wahrheit und Recht sich mit dem Notwendigsten zum Leben begnügen müsse.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger