Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Justin der Märtyrer († um 165) - Erste Apologie

63. Nicht Gott der Vater, sondern der Sohn hat zu Moses im Dornbusch gesprochen.

Die Juden lehren alle heute noch, der namenlose Gott habe zu Moses geredet. Darum hat der prophetische Geist durch den früher erwähnten Propheten Isaias scheltend, wie oben gesagt (c. 37), zu ihnen gesprochen: „Ein Ochs kennt seinen Besitzer und ein Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat mich nicht erkannt und mein Volk mich nicht begriffen“ 1. Und auch Jesus Christus hat, als die Juden nicht erkannten, was Vater und was Sohn sei, gleichfalls scheltend zu ihnen gesagt: „Niemand kennt den Vater als der Sohn und niemand den Sohn als der Vater und wem der Sohn es geoffenbart hat“ 2. Gottes Logos aber ist sein Sohn, [S. 132] wie wir früher gesagt haben (c. 21-23). Auch Engel und Gesandter wird er genannt; denn er verkündet, was zu wissen nottut, und wird gesandt, um alles zu melden, was von Gott geoffenbart wird, wie denn unser Herr auch selbst sagte: „Wer mich hört, der hört den, der mich gesandt hat“ 3. Und das wird auch aus den Schriften des Moses erhellen, in denen folgendes gesagt ist: „Es sprach zu Moses ein Engel Gottes in einer Feuerflamme aus dem Dornbusche und erklärte: Ich bin der Seiende, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, der Gott deiner Väter. Geh hinab nach Ägypten und führe mein Volk heraus“ 4. Was folgt, könnt ihr, wenn ihr wollt, aus jenen Schriften erfahren; denn es ist nicht möglich, hier alles anzuführen, Aber diese Worte dienen zum Beweise, daß Jesus Christus Gottes Sohn und Gesandter ist, der zuerst Logos war und bald in Feuersgestalt, bald ohne körperliche Gestalt 5, jetzt aber, nach Gottes Willen für das Menschengeschlecht Mensch geworden, alle die Leiden auf sich genommen hat, die ihm auf Anstiften der Dämonen die verblendeten Juden angetan haben. Diese finden sich in den Schriften des Moses deutlich ausgesprochen: „Ich bin der Seiende, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“; trotzdem behaupten sie, der das gesagt habe, sei der Vater und Schöpfer des Alls. Darum warf auch der prophetische Geist ihnen vor: „Israel hat mich nicht erkannt, mein Volk mich nicht begriffen“. Und anderseits sprach Jesus, als er bei ihnen weilte, die schon angeführten Worte: „Niemand hat den Vater erkannt als der Sohn und niemand den Sohn als der Vater und wem der Sohn es geoffenbart hat“. Die Juden glauben, immer habe der Vater des Alls mit Moses gesprochen, während doch der Sohn Gottes, der auch sein Bote und Gesandter heißt, mit ihm sprach; mit Recht wird ihnen daher sowohl durch den prophetischen Geist als auch durch Christus [S. 133] selbst der Vorwurf gemacht, daß sie weder den Vater noch den Sohn erkannt haben. Denn die den Sohn zum Vater machen, laden den Vorwurf auf sich, daß sie weder den Vater kennen noch wissen, daß der Vater des Alls einen Sohn hat, der als Gottes Logos und Erstgeborener auch Gott ist. Früher ist dieser in Feuersgestalt und auch unkörperlich dem Moses und den übrigen Propheten erschienen; jetzt aber in den Zeiten eurer Herrschaft ist er, wie wir früher gesagt haben (c. 46), nach des Vaters Willen zum Heile seiner Gläubigen durch eine Jungfrau Mensch geworden und hat Verachtung und Leiden auf sich genommen, um durch sein Sterben und Auferstehen den Tod zu besiegen. Was aber aus dem Dornbusch zu Moses gesagt wurde: „Ich bin der Seiende, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs und der Gott deiner Väter“ deutet an, daß jene auch nach ihrem Tode Leute Christi bleiben und sind; waren sie doch unter allen Menschen die ersten, die rastlos Gott suchten, Abraham der Vater Isaaks und Isaak der Vater Jakobs, wie ebenfalls Moses aufgezeichnet hat.

1: Is. 1,3.
2: Matth. 11,27; aber Jesus sprach diese Worte nicht scheltend, sondern frohlockend.
3: Matth. 10,40; Luk. 10,16.
4: Ex. 3,2ff.
5: ἐν εἰκόνι ἀσωμάτῳ. Die Handschrift hat ἀσωμάτων, das Otto und Krüger beibehalten. Justin denkt hier an Stellen, wo Gott nur innerlich zu einem Propheten spricht, ohne eine körperliche Gestalt anzunehmen.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu Justin dem Märtyrer

Navigation
. . Mehr
. . 51. Weissagungen übe...
. . 52. Die Erfüllung ...
. . 53. Die Christen haben ...
. . 54. Die Mythen von ...
. . 55. Das Kreuz das best...
. . 56. Noch einmal über ...
. . 57. Die Dämonen können ...
. . 58. Auch den Markion ...
. . 59. Das Alte Testament ...
. . 60. Weissagungen über ...
. . 61. Die Taufe.
. . 62. Nachäffung der ...
. . 63. Nicht Gott der ...
. . 64. Auch die Sagen ...
. . 65. Der eucharistische ...
. . 66. Das Wesen der Euch...
. . 67. Gemeindeleben der ...
. . 68. Schluß und Reskript ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger