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Justin der Märtyrer († um 165) - Erste Apologie

53. Die Christen haben also die besten Gründe für die Wahrheit ihres Glaubens.

Wir könnten noch viele andere Prophezeiungen anführen, hören aber hier auf in der Erwägung, daß die angeführten ausreichen zur Belehrung derjenigen, welche Ohren zum Hören und zum Verstehen haben, und in der Überzeugung, daß diese einsehen können, daß nicht, wie die Dichter in betreff der vermeintlichen Zeussöhne, so auch wir nur Behauptungen aufstellen, aber keine Beweise bringen können. Denn aus welchem Grunde würden wir einem gekreuzigten Menschen glauben, daß er der Erstgeborene des ungezeugten Gottes ist und daß er über das ganze Menschengeschlecht Gericht halten werde, wenn wir nicht Zeugnisse vorfänden, die noch vor seiner Ankunft im Fleische bekannt gegeben waren, und wenn wir diese nicht so bestätigt sähen. Sehen wir doch die Verödung des Judenlandes und sehen wir doch uns selbst, Angehörige aller Volksstämme, durch die Predigt der Apostel überzeugt und abgebracht von den alten Bräuchen, in denen wir irregehend gewandelt waren, und finden wir doch zahlreichere und wahrhaftere Christen unter den Heiden als unter Juden und Samaritern. Denn alle übrigen Stämme der Menschen werden von dem prophetischen Geiste Heiden genannt, das jüdische und samaritanische Volk aber heißen Israel und Haus Jakobs. Daß aber vorhergesagt wurde, es würden die Gläubigen aus den Heiden zahlreicher sein als die aus den Juden und Samaritern, dafür wollen wir die Prophezeiung mitteilen; sie lautet: „Freue dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebärst, frohlocke und jauchze, die du keine Wehen hast; denn zahlreicher sind die Kinder der Vereinsamten als jener, die ihren Mann hat“ 1. Denn verlassen waren alle [S. 121] Völker vom wahren Gott, sie verehrten Werke von Menschenhand; die Juden und Samariter aber, die Gottes Wort, das ihnen durch die Propheten verkündet war, besaßen und immer auf den Christus geharrt hatten, erkannten ihn bei seinem Erscheinen doch nicht an außer einigen wenigen, die, wie der prophetische Geist durch Isaias vorhergesagt hatte, gerettet werden sollten. Er läßt sie aber also sprechen: „Wenn nicht der Herr uns ein Samenkorn gelassen hätte, wären wir wie Sodoma und Gomorrha geworden“ 2. Sodoma und Gomorrha waren nämlich, wie Moses erzählt, Städte ruchloser Menschen, die Gott durch Feuer und Schwefel verbrannte und zerstörte, wobei keiner in ihnen gerettet wurde als ein Fremder mit Namen Lot, ein Chaldäer seiner Abkunft nach, mit dem auch seine Töchter gerettet wurden. Ihr ganzes Land kann jeder, der will, öde, unfruchtbar und ausgebrannt daliegen sehen. Daß aber die aus den Heidenvölkern als die Wahrhaftigern und Zuverlässigern im voraus erkannt wurden, dafür wollen wir die Worte des Propheten Isaias anführen, der sagt: „Israel ist unbeschnitten dem Herzen nach, die Heiden aber der Vorhaut nach“ 3. So viele augenscheinliche Belege können denen, welche die Wahrheit lieben, nicht falscher Ehre nachjagen noch von Leidenschaften beherrscht werden, Überzeugung und Glauben beibringen.

1: Is. 54,1.
2: Is. 1,9.
3: Jer. 9,26.

 

 

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Einleitung zu Justin dem Märtyrer

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger