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Justin der Märtyrer († um 165) - Erste Apologie

19. Der Glaube an die Auferstehung des Fleisches ist nicht vernunftwidrig.

Und gesetzt, wir lebten nicht im Leibe, was könnte da bei genauer Betrachtung wohl unglaublicher erscheinen, als wenn man uns sagte, aus einem kleinen Tropfen menschlichen Samens könnten Knochen, Sehnen und Fleisch entstehen, so ausgebildet, wie wir sie wirklich sehen? Nehmen wir für jetzt einmal den Fall an, ihr wäret von anderer Bildung und von anderer Herkunft und es würde euch jemand, indem er euch menschlichen Samen und das gemalte Bild eines Menschen zeigt, sagen und versichern, aus jenem könne dieses entstehen, würdet ihr es wohl glauben, ehe ihr es vor euren Augen entstehen sähet? Niemand wird mir darin wohl zu widersprechen wagen. Ganz auf dieselbe Weise glaubt ihr nicht, weil ihr noch niemals einen Toten habt auferstehen sehen. Aber gerade wie ihr von vornherein nicht geglaubt hättet, daß aus einem kleinen Tropfen solche hätten entstehen können, und wie ihr seht, daß sie doch geworden sind, so haltet es auch nicht für unmöglich, daß die aufgelösten und nach Art der Samen in die Erde hineingelegten menschlichen Leiber zu ihrer Zeit auf Gottes Geheiß auferstehen und Unverweslichkeit anziehen 1 werden. Denn wie von einer Gottes würdigen Macht jene reden können, die sagen, alles kehre dahin zurück, woher es gekommen ist, und darüber hinaus vermöge nicht einmal die Gottheit etwas weiteres 2, wüßten wir nicht zu sagen. Aber das wissen [S. 86] wir, daß sie es nie für möglich gehalten hätten, daß einmal solche Wesen und auf solche Weise entstehen, wie und woraus sie selbst und die ganze Welt entstanden sind. Es ist aber, wie wir gelernt haben, besser, auch an das zu glauben, was unserer eignen Natur und überhaupt Menschen unmöglich ist, als wie die anderen ungläubig zu sein, zumal wir auch wissen, daß unser Lehrer Jesus Christus gesagt hat: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott“ 3 und: „Fürchtet nicht die, die euch töten und euch darnach nichts tun können, fürchtet vielmehr den, der nach dem Tode Leib und Seele in die Hölle stürzen kann“ 4. Die Hölle aber ist ein Ort, wo diejenigen gezüchtigt werden sollen, die unrecht gelebt haben und nicht an die Erfüllung dessen glauben, was Gott durch Christus gelehrt hat.

1: 1Kor. 15,53.
2: Gemeint sind die Stoiker.
3: Matth. 19,26; Luk. 18,27.
4: Matth. 10,28; Luk. 12,4.5.

 

 

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Einleitung zu Justin dem Märtyrer

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger