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Aristides v. Athen (2. Jhd.) - Apologie

1.

1. Ich bin, o Kaiser, durch Gottes Vorsehung 1 auf die Welt gekommen. Und als ich den Himmel betrachtete 2 und Erde und Meer, und Sonne und Mond [erblickte] und die übrigen Schöpfungswerke, da erstaunte ich über dieses Weltgebäude 3. 2. Ich begriff aber, daß sich die Welt und alles darin (nur) aus Zwang [seitens eines andern] bewegt, und ich sah ein, daß derjenige, der sie bewegt und erhält, Gott ist, [der darin verhüllt und dadurch verborgen ist 4]; auch ist klar, daß das Bewegende stärker 5 ist als das Bewegte, und das Erhaltende stärker als das Erhaltene . Aber nachzugrübeln über den Beweger des Alls, wie beschaffen er (nämlich) ist - denn soviel ist mir ersichtlich: er ist ja seiner Natur nach unbegreiflich - und zu handeln über die Festigkeit seiner Weltordnung, um sie ganz zu begreifen, bringt mir keinen Gewinn, kann sie ja doch niemand vollkommen begreifen. 3. Ich behaupte aber von dem Weltbeweger, daß er der Gott des Alls ist, der alles um des Menschen 6 willen gemacht hat; und mir scheint das (allein) von Wert zu sein, daß man Gott verehre und den (Mit-) Menschen nicht kränke. [S. 26] 4. Ich behaupte aber, daß Gott ungezeugt 7 ist und ungemacht 8, von niemand umfaßt wird, selbst aber alles umfaßt 9, (daß er ist) eine durch sich seiende 10 Form 11, anfangslos 12 und endlos, unvergänglich 13, unsterblich, vollkommen und unbegreiflich 14. Wenn ich sagte: vollkommen, so heißt das, daß er keinen Mangel hat und nichts bedarf 15, während alles seiner bedarf; und wenn ich sagte, daß er anfangslos ist, so heißt das, daß alles, was einen Anfang hat, auch ein Ende hat, und alles, was ein Ende hat, auflösbar ist.

5. Er hat keinen Namen 16; denn alles, was einen Namen hat, gehört mit zum Geschaffenen. Er hat keine Gestalt und keine Zusammensetzung von Gliedern; denn wer solches hat, gehört mit zu den Gebilden. Er ist nicht männlich und nicht weiblich 17. Der Himmel umfaßt ihn nicht, vielmehr wird der Himmel und alles Sichtbare und Unsichtbare von ihm umfaßt. 6. Er hat keinen Gegner; denn es gibt niemand, der stärker wäre als er 18. Er hat nicht Grimm und Zorn 19; denn es gibt nichts, das ihm widerstehen könnte. Irrtum und Vergeßlichkeit liegt nicht in seiner Natur; denn er ist ganz und gar Weisheit und Einsicht und durch ihn besteht alles 20, [was besteht]. Er heischt nicht [S. 27] Schlacht- und Trankopfer 21, noch eines von den sichtbaren Dingen; [von niemand heischt er etwas,] aber alle Lebewesen heischen von ihm.

1: Gnade S.
2: Vgl. 2Mak. 7,28; Weish. 13,5.
3: S sklavisch: die Ausschmückung der Welt. A sinngemäß: den Bau der Welt. Vgl. 1Klem 33,3; Tatian 21.
4: Vgl. Röm. 1,20.
5: Weish. 13,4.
6: Petruspred: Klem. v. Alex., Strom. VI 5,40; Herm., Mand. XII 4,2; Justin, Apol. I 10,2; Br. a Diogn. 4,2; 10,2.
7: Sibyll., Proöm. 7.17; Justin, Apol. I. 14,1 u.o.
8: Petruspred.: Strom. VI 5,39.
9: Ebd. und Herm., Mand. I 1.
10: Sibyll. Proöm. 17; III 12; VIII 429; Fragm. I (8) 17.
11: A, s. Einleit., S. 17.
12: Tatian 4.
13: A; vgl. Röm. 1,23; Petruspred. a.a.O.
14: Petruspred. a.a.O.
15: 2Makk. 14,35; Apg. 17,25; Br. a. Diogn. 3,4.
16: Justin, Apol. II 6,3.
17: Männliches und Weibliches besteht nicht in jener Natur; denn in wem dies besteht, der ist unter der Macht der Leidenschaften A.
18: + Er ist unbeweglich, unermeßlich und unaussprechlich; denn es gibt keinen Ort, woher und wohin er sich bewegte. Auch wird er von keiner Seite als meßbar umfaßt und umschlossen; denn er ist’s, der alles erfüllt und alles Sichtbare und Unsichtbare überragt A.
19: 1Klem. 19,3; Ign. Philad. 1,2; Br. a. Diogn. 8,8.
20: Kol. 1,17.
21: Sibyll. VIII 390; vgl. Justin, Apol. I,10,1; 13,1; Br. a. Diogn. 3,5.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zur Apologie des Aristides

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger