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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Dreizehntes Buch

9. Weshalb heißt es allein vom Heiligen Geiste, daß er über den Wassern schwebt?

Aber schwebte nicht vielleicht auch der Vater oder der Sohn über den Gewässern? Faßt man das Schweben rein räumlich auf, dann kann man es auch vom Heiligen Geiste nicht aussagen; versteht man aber darunter [S. 343] die Majestät, womit die unwandelbare Gottheit über allem Wandelbaren schwebt, dann schwebte der Vater, der Sohn und der Heilige Geist über den Wassern. Warum aber ist es nur von deinem Geiste gesagt? Warum ist es bloß von ihm gesagt, gleichsam als wenn er dort räumlich wäre, der doch nicht räumlich ist, der allein, wie es heißt, "dein Geschenk"1 ist? In deinem Geschenke finden wir Ruhe, in ihm genießen wir dich. Unsere Ruhe ist unser Platz. Dorthin erhebt uns die Liebe, und dein guter Geist "erhebt dorthin unsere Niedrigkeit von den Pforten des Todes"2 Ps. 9,15. . In deinem guten Willen ruht unser Friede. Ein Körper strebt wegen seiner Schwere nach seinem Platze; die Schwere strebt nicht nur nach der Tiefe, sondern nach einem Ruhepunkte. Das Feuer strebt nach oben, nach unten der Stein. Ihre Schwere bestimmt ihre Bewegung und treibt sie nach ihrem Platze. Gießt man Öl unter Wasser, so erhebt es sich über das Wasser; gießt man Wasser über das Öl, so taucht es unter das Öl unter: ihre Schwere bestimmt ihre Bewegung und treibt sie nach ihrem Platze. Solange sie nicht in ihrer Ordnung sind, sind sie unruhig; erst wenn sie geordnet sind, ruhen sie. Meine Triebkraft ist meine Liebe; von ihr lasse ich mich tragen, wohin immer es mich zieht. Deine Gabe entzündet uns und trägt uns zur Höhe hinauf; sie entflammt uns, und wir setzen uns in Bewegung. Wir ersteigen "die Stufen in unseren Herzen"3 und singen dem Herrn "ein Stufenlied"4. Dein Feuer, dein gutes Feuer, setzt uns in Glut, in Bewegung. Wir wandeln ja hinauf "zum Frieden Jerusalems"5, "ich habe gejubelt mit denen, die mir gesagt haben: "Wir wollen gehen in das Haus des Herrn"6. Dort wird uns der gute Wille eine Wohnstätte verschaffen, so daß wir nichts anderes mehr begehren als dort zu bleiben in Ewigkeit.

1: Apg. 2,38.
2:
3: Ebd. 83,6.
4: Ebd. 119,1.
5: Ebd. 121,6.
6: Ebd. 121,1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger