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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Dreizehntes Buch

31. Dem Frommen gefällt, was Gott gefällt.

Du aber bist das Auge derer, die deine Werke in deinem Geiste sehen, Wenn sie also sehen, daß sie gut sind, so siehst du, daß sie gut sind; wenn ihnen etwas um deinetwillen gefällt, so gefällst du ihnen darin, und was durch deinen Geist uns gefällt, das gefällt dir an uns. "Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen vorgeht, als nur der Geist des Menschen, der in ihm selber ist? So auch erkennt keiner, was Gottes ist, ohne den Geist Gottes. Wir aber haben nicht den Geist dieser Welt empfangen, sondern den Geist, der von Gott ist, daß wir wissen, was uns von Gott geschenkt worden ist"1. Danach drängt es mich zu sagen: "Gewiß, keiner weiß, was Gottes ist, außer der Geist Gottes"2. Wie geschieht es denn also, daß auch wir wissen, "was uns von Gott geschenkt worden ist"? Ich vernehme die Antwort: Auch das, was wir durch seinen Geist wissen, "weiß keiner so wie der Geist Gottes". Denn wie denen, die im Geiste Gottes reden, mit Recht gesagt werden [S. 374] kann: "Nicht ihr seid es, die da reden"3, ebenso kann denen, die im Geiste Gottes wissen, gesagt werden: "Nicht ihr seid es, die da wissen". Folglich wird denen, die im Geiste Gottes sehen, auch mit Recht gesagt: "Nicht ihr seid es, die da sehen". Wenn sie also im Geiste Gottes sehen, daß etwas gut ist, so sehen nicht sie, sondern Gott selbst, daß es gut ist. Drei Fälle sind also möglich einer hält etwas, das tatsächlich gut ist, für schlecht - von solchen war oben die Rede -; ein ganz anderer Fall liegt aber vor, wenn der Mensch auch erkennt, daß das gut ist, was gut ist. So gefällt ja vielen deine Schöpfung, weil sie gut ist, obwohl du ihnen selbst in ihr nicht gefällst und sie deshalb weltliche Genüsse dir vorziehen. Das Höchste aber ist es, wenn jemand erkennt, daß etwas gut ist und Gott in ihm sieht, daß es gut ist, auf daß er selbst in seinem Geschöpfe geliebt wird, der nur durch den Heiligen Geist, den er uns verliehen hat, geliebt werden kann. "Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns verliehen ist"4; durch ihn sehen wir auch, daß alles, was irgendwie existiert, gut ist. Denn von ihm, der nicht irgendwie geworden, sondern ist, was er ist, kommt alles.

1: 1 Kor. 2,11 und 12.
2: Ebd. 2,11.
3: Matth. 10,20.
4: Röm. 5,5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger