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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Dreizehntes Buch

13. Auf Erden ist keine vollkommene Erneuerung des Menschen denkbar.

Und doch sind wir Licht vorerst nur "durch den Glauben", noch nicht "durch das Schauen"1. "Denn nur in Hoffnung sind wir erlöst. Die Hoffnung aber, die in Schauen übergegangen, ist keine Hoffnung mehr"2. Noch "ruft ein Abgrund dem andern zu, jedoch in dem Rauschen deiner Wasserfälle"3. Selbst der Apostel, der da sagt: "Ich konnte zu euch nicht reden wie zu Geistes-, sondern nur wie zu Sinnesmenschen"4 auch er glaubt das Ziel noch nicht erreicht zu haben; aber "vergessend dessen, was hinter ihm liegt, streckt er sich aus nach dem, was vor ihm liegt"5. Er seufzt unter seiner Last, und "seine Seele dürstet nach dem lebendigen Gotte, wie der Hirsch nach der Wasserquelle"6, und er ruft aus: "Wann werde ich hinkommen?", da er begehrt, "mit seinem Gezelte, das vom Himmel ist, umkleidet zu werden"7. Und dem unteren Abgrunde ruft er die Worte zu: "Werdet nicht wie diese Welt, sondern erneuet euch in Erneuerung eures Sinnes"8 und: "Werdet doch nicht Knaben in eurer Gesinnung, sondern vor der Bosheit seid Kinder, auf daß ihr vollkommen werdet in eurer Gesinnung"9 - und: "O ihr törichten Galater, [S. 347] wer hat euch bezaubert?"10 Doch nicht seine Stimme ruft also, sondern deine, der du deinen Geist von der Höhe her gesandt durch ihn, der hinaufgestiegen "in die Höhe"11 und geöffnet "die unerschöpfliche Quelle"12 seiner Gaben, auf daß "der Andrang ihres Stromes deine Stadt"13 erfreue. Denn nach ihr seufzt "des Bräutigams Freund"14, der schon "die Erstlinge des Geistes"15 bei ihm empfangen hat, aber noch seufzt er bei sich selbst, da er erwartet "die Kindschaft und harrt auf seines Leibes Erlösung“16. Ihr gilt sein Seufzen, denn er ist ein Glied der Kirche, der Braut, ihr sein Eifer, denn er ist "ein Freund des Bräutigams"; ihr gilt sein Eifer, nicht sich selbst, denn "in dem Rauschen deiner Wasserfälle"17, nicht mit seiner eigenen Stimme ruft er dem anderen Abgrunde zu; sein Eifer fürchtet für ihn, es möchte etwa, "wie die Schlange Eva durch ihre Hinterlist verführte, so auch ihr Sinn verdorben und von der Keuschheit abgelenkt werden"18, die bei unserem Bräutigam, deinem Eingeborenen ist. Welches ist nun jenes Licht der Anschauung? Wenn "wir ihn sehen, wie er ist"19, wenn vorüber sind "die Tränen, die mein Brot geworden Tag und Nacht, da man täglich zu mir sagte: Wo ist dein Gott?"20

1: 2 Kor. 5,7.
2: Röm. 8,24.
3: Ps. 41,8.
4: 1 Kor. 3,1.
5: Phil. 3,13.
6: Ps. 41,2 f.
7: 2 Kor. 5,2.
8: Röm. 12,2.
9: 1 Kor. 14,20.
10: Gal. 3,1.
11: Ps. 67,19.
12: Mal. 3,10.
13: Ps. 45,5.
14: Joh. 3,29.
15: Röm. 8,23.
16: Ebd.
17: Ps. 41,8.
18: 2 Kor. 11,3.
19: 1 Joh. 3,2.
20: Ps. 41,4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger