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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Dreizehntes Buch

2. Alles, was ist, verdankt sein Sein wie seine Vollendung der Güte Gottes.

Ja, aus der Fülle deiner Güte ist deine Schöpfung hervorgegangen, damit das Gute, obwohl es dir keinen Nutzen gewährt und, wenn auch von dir stammend, dir doch nicht gleich sein kann, dennoch nicht fehle, weil es durch dich werden konnte. Denn welches Verdienst haben Himmel und Erde, die du im Anfang geschaffen, im Voraus sich um dich erworben? Sollen sie doch sagen, was sie im voraus um dich verdient haben, die geistigen und körperlichen Geschöpfe, die du in deiner Weisheit so erschaffen, daß von ihr auch schon das kaum Angefangene und noch Ungestaltete, jedes in seiner Art, Geistiges wie Körperliches abhängig sein sollte, ja auch das, was nach Unordnung, ja nach der höchsten Unähnlichkeit mit dir strebt, wobei zu bemerken ist, daß das ungestaltete Geistige immerhin noch besser ist als ein gestalteter Körper, das ungestaltete Körperliche immerhin noch besser, als wenn es ganz und gar nichts wäre! Auch ungestaltet wären alle Dinge von deinem Worte abhängig geblieben, hätte nicht eben dein Wort sie zur Einheit mit dir berufen und so gestaltet, daß alles durch dich, das höchste Gut, sehr gut würde. Wie haben alle diese Dinge auch nur ihr gestaltloses Dasein im voraus um dich verdient, da sie auch dieses nur von dir haben?

Wie hat es die körperliche Materie um dich verdient, auch nur wüst und leer zu sein? Ohne deinen Schöpfungsakt wäre sie ja nicht einmal das! Da sie also noch nicht war, konnte sie auch nicht im voraus um dich verdienen, von dir ins Dasein gerufen zu werden. Oder wie hat es um dich die geistige Schöpfung [S. 338] in ihrem Entstehen verdient, auch nur, daß sie, ähnlich dem Abgrunde, unähnlich dir, in der Finsternis gärte, wenn nicht dasselbe Wort sie zu dem Worte, das sie geschaffen, hingewandt und erleuchtet hätte, so daß auch sie Licht wurde, deinem Ebenbilde zwar nicht gleich, aber doch ähnlich? Wie beim Körper Sein und Schönsein nicht dasselbe ist - sonst könnte es nichts Unschönes geben! -, so ist auch bei dem erschaffenen Geiste Leben nicht gleichbedeutend mit weise leben, weil er sonst unveränderlich weise wäre. "Gut aber ist es für ihn, immer dir anzuhängen"1, damit er nicht das Licht, das ihm durch seine Bekehrung zuteil geworden, durch seine Abkehr von dir verliere und zurücksinke in ein Leben, das einem finsteren Abgrunde gleicht. Denn auch wir, die wir, soweit unsere Seele in Betracht kommt, geistige Schöpfung sind, waren, wenn wir uns von dir, unserem Lichte abwendeten, "einst Finsternis"2, und immer noch leiden wir an den Überbleibseln unserer Finsternis, bis wir in deinem Eingeborenen "deine Gerechtigkeit, gleich Bergen Gottes" sind; denn wir waren verfallen "deinem Gerichte wie einem tiefen Abgrunde"3.

1: Ps. 72,28.
2: Ephes. 5,8.
3: Ps. 35,7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger