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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Zwölftes Buch

31. Moses hat seinen Worten jeden wahren Sinn, den man darin finden kann, auch geben wollen.

Wenn daher einer sagt: Moses meinte, was ich [S. 334] meine, ein anderer dagegen: Nein, er meinte, was ich meine, so würde ich wohl der Gottesfurcht entsprechender sagen: Warum nicht lieber beides, wenn beides wahr ist? Und wenn einer noch eine dritte oder eine vierte Ansicht oder überhaupt etwas ganz anderes in diesen Worten findet, wofern es nur wahr ist, warum sollen wir nicht glauben, daß Moses all das gesehen, er, durch den der eine Gott die heiligen Schriften dem Verständnisse so vieler angepaßt hat, so daß sie, wenn auch Verschiedenes, so doch nur Wahrheit in ihnen finden? Ich wenigstens erkläre unerschrocken aus der Tiefe meines Herzens: Wenn ich etwas schreiben sollte, dem höchste Bedeutung zukäme, so wünschte ich lieber so zu schreiben, daß man aus meinen Worten alle die verschiedenen wahren Auffassungen, die über diese Dinge denkbar sind, herauslesen könnte, als eine einzige wahre Ansicht bis zu dem Grade klar hinzustellen, daß sie alle übrigen ausschlösse, obwohl mich nichts Falsches an ihnen zu stören brauchte. Ich will also deshalb, mein Gott, nicht so vermessen sein zu glauben, jener große Mann habe diese Gnade nicht von dir empfangen. Als er dies schrieb, hat er gewiß bei seinen Worten alles gemeint und gedacht, was wir Wahres in ihnen finden konnten und was wir nicht finden konnten oder was wir noch nicht finden konnten, was aber wohl darin gefunden werden kann.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger