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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Zwölftes Buch

16. Er will nichts zu tun haben mit denen, die der göttlichen Wahrheit ihr Ohr verschließen.

Nur mit denen will ich mich nämlich weiter vor deinem Angesichte, o mein Gott, unterhalten, die da alles redet was deine Wahrheit drinnen in meinem Herzen laut redet, als wahr anerkennen. Denn die es leugnen, mögen dagegen bellen, soviel sie wollen, mögen sich selbst mit [S. 316] ihrem Geschrei betäuben; ich will es versuchen, sie zu überreden, Ruhe zu halten und dein Wort auf sich einwirken zu lassen. Wollen sie das nicht und weisen sie mich zurück, so bitte ich dich, "mein Gott, laß deine Worte nicht in meinem Herzen verstummen!"1 Rede du wahrhaftig in meinem Herzen; denn du allein redest so. Ich will sie hinausgehen lassen, daß sie draußen in den Staub blasen und Sand ihnen in die Augen fällt; ich selber aber will eingehen in mein Kämmerlein, dir Liebeshymnen singen und in unaussprechlichen Seufzern während meiner Pilgerschaft Jerusalems gedenken, zu dem mein Herz emporgerichtet ist, Jerusalems, das meine Heimat, meine Mutter ist; deiner will ich gedenken, der du Jerusalems König, seine Leuchte, sein Vater, Hort und Bräutigam bist, seine züchtige und dauernde Wonne, seine wahrhafte Freude, der Inbegriff all seiner unaussprechlichen Güter, weil du das einzig höchste und wahre Gut bist. Nicht mehr will ich mich von dir abwenden, bis du mich ganz in seinen Frieden, den Frieden der teuersten Mutter - dort sind ja schon die Erstlinge meines Geistes, von dort sind mir auch diese sicheren Wahrheiten gekommen -, aus meiner Zerstreuung und Entstellung sammelst und mich zur Ewigkeit bildest, mein Gott und mein Erbarmen. Mit denen aber, die zwar durchaus nicht behaupten, daß das alles, was wahr ist, falsch sei, da sie ja deine Heilige Schrift, die der heilige Moses geschrieben, verehren und ihr mit uns das höchste Ansehen einräumen und sich von ihr leiten lassen, die aber doch in dem einen und anderen Punkte uns widersprechen, zu diesen sage ich: "Du, unser Gott, du sollst richten zwischen meinen Bekenntnissen und ihren Einwendungen."

1: Ps 27,1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger