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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Elftes Buch

22. Er bittet Gott um Lösung dieses Rätsels.

Meine Seele brennt vor Verlangen, diesen so überaus verwickelten Knoten zu lösen. Verschließe doch, Herr, mein Gott, du gütiger Vater, ich bitte dich um Christi willen, verschließe doch diese so alltäglichen und doch so geheimnisvollen Dinge nicht meinem Verlangen; laß meinen Geist darin eindringen, auf daß sie mir im Lichte deiner Barmherzigkeit, o Herr, klar werden. Wen kann ich über diese Dinge befragen? Wem kann ich mit größerem Nutzen meine Unwissenheit bekennen [S. 290] als dir, der meinen Eifer nicht tadelt, wenn er mich in heißem Drange zu deinen heiligen Schriften hinzieht. Gib mir, was ich liebe; denn ich liebe, und auch dies hast du mir gegeben. Gib es, o Vater, der du in Wahrheit "deinen Kindern gute Gaben zu geben"1 weißt, gib es mir, denn ich habe es auf mich genommen, zur Erkenntnis zu gelangen, "und große Arbeit steht mir bevor"2 bis du sie mir erschließest. Um Christi willen beschwöre ich dich, im Namen dieses Heiligen der Heiligen, laß niemanden mich bei diesem Vorhaben hindern! Und "ich habe geglaubt, darum redete ich auch"3. Das ist meine Hoffnung, und ihr gemäß lebe ich auch, "daß ich schauen darf die Freude des Herrn"4. "Siehe, du hast hinausgerückt das Ende meiner Tage"5, und sie gehen vorüber, ich weiß nicht wie. Wir reden von Zeit und Zeit, von Zeiten und Zeiten und sprechen: "Wie lange hat der gelebt?" "Wann hat er das getan?" "Wie lange habe ich das schon nicht mehr gesehen?" "Diese Silbe da dauert doppelt so lange wie jene kurze". So sagen wir, und so hören wir andere sagen; man versteht uns, und wir verstehen selbst. Es sind ganz gewöhnliche und gebräuchliche Dinge, und doch sind sie wiederum ganz dunkel, und die Lösung des Rätsels ist noch nicht gefunden.

1: Matth. 7,11.
2: Ps. 72,16.
3: Ebd. 115,10.
4: Ebd. 26,4.
5: Ebd. 38,6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger