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Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)
Viertes Buch
38. Kapitel: Weshalb der Mensch nicht ursprünglich vollkommen war

4.

Unvernünftig also in jeder Hinsicht sind die, welche die Zeit des Wachstums nicht abwarten und die Schwäche ihrer Natur Gott zuschreiben. Diese Unersättlichen und Undankbaren kennen weder Gott noch sich, wenn sie das nicht sein wollen, was sie doch zuerst geworden sind: leidensfähige Menschen; und das Gesetz des menschlichen Geschlechtes übertretend, wollen sie, noch bevor sie Menschen geworden sind, dem Schöpfergott ähnlich sein und keinen Unterschied zulassen zwischen dem unerschaffenen Gott und dem jetzt entstandenen Menschen. Unverständiger sind sie als die stummen Tiere. Denn diese machen Gott keinen Vorwurf daraus, daß er sie nicht zu Menschen gemacht hat, sondern jedes von ihnen dankt mit dem, was es geworden ist, dafür, daß es geworden ist. Wir werfen ihm nämlich vor, daß wir nicht von Anfang an Götter geworden sind, sondern zunächst Menschen und dann erst Götter. Ist doch Gott in seiner einzigartigen Güte, damit niemand ihn für neidisch oder geizig halte, so weit gegangen, daß er spricht: „Ich habe gesagt: Götter seid ihr und Söhne des Höchsten allesamt“1 . Von uns aber, die wir die Macht seiner Gottheit nicht zu tragen vermochten, sagt er: „Ihr aber werdet wie Menschen sterben“2 . So hebt er beides hervor: seine Güte im Schenken und unsere Schwäche samt dem freien Willen. Denn gemäß seiner Güte gab er uns gütig das Gute und machte die Menschen sich ähnlich durch den freien Willen, gemäß seiner Vorsehung aber kannte er die Schwäche der Menschen, und was daraus folgen würde. Gemäß seiner Liebe und Kraft jedoch wird er das Wesen der erschaffenen Natur überwinden. Zuerst aber mußte die Natur erscheinen, dann das Sterbliche von dem Unsterblichen besiegt und verschlungen werden und das Vergängliche von dem Unvergänglichen3 , und der Mensch nach dem Bild und Gleichnis Gottes werden, nachdem er die Kenntnis des Guten und Bösen4 erlangt hatte.

1: Ps. 81,6
2: Ebd. 81,7
3: 1 Kor. 15,53
4: Gen. 3,5

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger