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Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)
Viertes Buch
30. Kapitel: Weshalb das jüdische Volk die ägyptischen Schätze mitnahm

3.

Zieht man einen Vergleich zwischen uns und ihnen, wer nahm dann offenbar mit größerem Recht? Das Volk von den Ägyptern, die in jeder Hinsicht seine Schuldner waren, oder wir von den Römern und anderen Heidenvölkern, die uns gar nichts schulden? Durch sie hat auch die Welt Friede, und furchtlos wandeln wir auf ihren Straßen und segeln, wohin wir wollen. Auf solche paßt also das Wort des Herrn: „Du Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge und dann magst du sehen, fortzunehmen den Splitter aus dem Auge deines Bruders“1 . Wenn also der, welcher dir dies vorhält und sich seiner Erkenntnis rühmt, sich abgesondert hat von der Gemeinschaft mit den Heiden und gar nichts Fremdes an sich trägt, sondern schlechthin nackt und barfuß und ohne Haus im Gebirge wandelt, wie einige von den Tieren, die sich nur von Kräutern nähren, dann wird man es ihm verzeihen, weil er eben unsere Lebensbedürfnisse nicht kennt. Wenn er aber von den Menschen das sog. fremde Gut annimmt und den Typus tadelt, dann zeigt er sich selber als ganz ungerecht und sein Vorwurf prallt auf ihn zurück. Denn offenbar trägt er Fremdes an sich und begehrt, was nicht sein ist, und deswegen sagte der Herr: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet, denn mit welchem Gerichte ihr richten werdet, wird man euch richten“2 . Dies sagte er nicht etwa, damit wir die Fehlenden nicht zurückweisen oder dem Bösen beistimmen, sondern damit wir die Anordnungen Gottes nicht ungerecht beurteilen, da er alles, was gut und recht ist, vorausgesehen hat. Weil er nämlich wußte, daß wir mit unserem Vermögen, das wir von anderen empfingen, gut umgehen würden, sprach er: „Wer zwei Röcke hat, gebe dem, der nicht hat, und wer Speise hat, tue ähnlich“3 . Und: „Ich war nämlich hungrig, und ihr gabt mir zu essen, ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet“4 . Und: „Wenn du Barmherzigkeit tust, möge deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut“5 . Durch diese und andere Wohltaten werden wir gerechtfertigt, indem wir gleichsam mit Fremdem das Unsrige einkaufen. Von Fremdem aber rede ich nicht etwa, als ob die Welt für Gott etwas Fremdes wäre, sondern weil wir die Gaben solcher Art von anderen erhalten haben, ähnlich wie jene von den Ägyptern, die Gott nicht kannten. Und aus diesen Dingen erbauen wir uns das Zelt Gottes, indem in denen, welche Gutes tun, gemäß dem Worte des Herrn Gott wohnt: „Machet euch Freunde mit dem Mammon der Ungerechtigkeit, damit diese, wenn ihr vertrieben sein werdet, euch in die ewiges Zelte aufnehmen“6 . Denn was immer wir noch als Heiden von der Ungerechtigkeit erworben haben, das verwenden wir als Gläubige zum Nutzen des Herrn und werden gerechtfertigt.

1: Mt. 7,5
2: Ebd. 7,1 f.
3: Lk. 3,11
4: Mt. 25,35
5: Ebd. 6,3
6: Lk. 16,9

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger