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Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)
Viertes Buch
20. Kapitel: Der Vater, das Wort und der Geist haben alles erschaffen. — Die Anschauung Gottes

11.

Wenn also weder Moses, noch Elias, noch Ezechiel Gott sahen, die doch vieles von himmlischen Dingen schauten, und wenn das, was sie sahen, nur ein Bild von der Herrlichkeit des Herrn oder eine Prophezeiung zukünftiger Güter war, dann ist offenbar der Vater unsichtbar, wie auch der Herr von ihm sagt: „Gott sah niemals jemand“1 . Sein Wort aber zeigte nach seinem Belieben und zum Nutzen des Schauenden die Herrlichkeit des Vaters und erklärte seine Anordnungen. So sagt der Herr: „Der eingeborene Gott, der im Schoß des Vaters ist, hat es selbst erzählt“2 . So nennt sich das Wort des Vaters selber, da es ja reich und vielgestaltig ist. Nicht in einer Gestalt oder einer Form ließ er sich erblicken, sondern je nach den Ursachen oder Veranlassungen seiner Erscheinung, wie bei Daniel geschrieben ist. Einmal wurde er mit denen, die bei Ananias, Azarias und Misael waren, gesehen, wie er ihnen in dem Feuerofen und in der Esse beistand, und sie aus dem Feuer errettete. Da heißt es: „Und die Vision des vierten war ähnlich dem Sohne Gottes“3 . Ein andermal zerschmettert er, als der Stein, der ohne Hände vom Berge losgerissen ist, die irdischen Reiche und zerstäubt sie und erfüllt die ganze Erde4 . Noch ein andermal wird er gesehen als der Menschensohn, der auf den Wolken des Himmels kommt, dem Alten der Tage sich nähert und von ihm die gesamte Macht und Herrlichkeit und das Reich empfängt. „Und seine ewige Macht und sein Reich wird nicht unter gehen“5 . Johannes, der Schüler des Herrn, schaut in der Apokalypse die priesterliche und herrliche Ankunft seines Reiches. Er sagt: „Ich wandte mich um, um die Stimme zu sehen, die mit mir sprach, und alsdann sah ich sieben goldene Kandelaber und zwischen den Kandelabern einen, der ähnlich war dem Menschensohne, angetan mit langem Gewande und umgürtet an den Brüsten mit goldenem Gürtel. Sein Haupt aber und die Haare waren weiß wie weiße Wolle und wie der Schnee, und seine Augen wie die Flamme des Feuers, und seine Füße ähnlich dem Erz, wie es im Ofen glüht, und seine Stimme wie die Stimme der Wasser, und sieben Sterne hat er in seiner rechten Hand, und von seinem Munde ging ein nach beiden Seiten scharfes Schwert aus, und sein Angesicht leuchtend wie die Sonne in ihrer Kraft“6 . In dieser Stelle bezeichnet das Haupt die Herrlichkeit vom Vater, das Gewand seine priesterliche Würde — deswegen bekleidete Moses den Hohenpriester nach diesem Bilde — anderes wieder weist hin auf das Ende, wie das im Ofen glühende Erz, welches die Stärke des Glaubens und die Beharrlichkeit im Gebet bedeutet. Daher auch am Ende der Welt der große Feuerbrand. Da aber Johannes die Vision nicht ertrug — „ich fiel“, sagt er, „zu seinen Füßen wie tot nieder, damit nach dem Worte geschehe: Niemand sieht Gott und wird leben“ — so belebte ihn das Wort und erinnerte ihn, daß er es sei, an dessen Brust er beim Abendmahl ruhte, als er fragte, wer es sei, der ihn verraten würde, und sprach zu ihm: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; ich war tot und siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle“7 . Darauf sah er in einer zweiten Vision denselben Herrn. „Ich sah nämlich“, sagt er, „in der Mitte des Thrones und der vier Lebewesen und in der Mitte der vier Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet, das sieben Hörner und sieben Augen hatte, welches sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde“8 . Und wiederum sagt er von demselben Lamme: „Und siehe, ein weißes Pferd, und der auf ihm saß, wurde genannt der Treue und Wahre, und mit Gerechtigkeit richtet und kämpft er; and seine Augen sind wie die Flamme des Feuers, und auf seinem Haupte sind viele Diademe, und er trug einen Namen geschrieben, den niemand weiß als er selbst, und umgeben ist er mit einem Gewande, besprengt mit Blut, und sein Name wird genannt das Wort Gottes. Und die Heere des Himmels folgten auf weißen Pferden, bekleidet mit weißem, reinen Linnen, und von seinem Munde geht aus ein scharfes Schwert, um damit die Heiden zu schlagen. Und er selbst wird sie weiden mit eisernem Stabe, und er tritt den Weinkelter der Wut, des Zornes des allmächtigen Gottes. Und er trägt auf seinem Kleide und auf seiner Hüfte geschrieben den Namen: König der Könige und Herr der Herren“9 . So hat immer das Wort Gottes gleichsam die Umrisse der zukünftigen Dinge, und indem es den Menschen gleichsam die Bilder der göttlichen Anordnungen zeigte, lehrte es uns die Pflichten gegen Gott.

1: Joh. 1,18
2: Ebd.
3: Dan. 3,92
4: Ebd. 2,34 f.
5: Ebd. 6,13 f.
6: Offb. 1,12 ff.
7: Offb. 1,17 f.
8: Ebd. 5,6
9: Ebd. 19,11 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger