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Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)
Viertes Buch

17. Kapitel: Die Heilsbedeutung der Opfer

1.

Die Propheten geben ganz deutlich zu verstehen, daß Gott gewisse Beobachtungen im Gesetz der Menschen wegen vorgeschrieben hat, aber nicht, als ob er ihres Dienstes bedurfte. Auch der Herr lehrte, wie wir deutlich gezeigt haben, daß Gott ihre Gaben nicht gebraucht, sondern daß diese der opfernden Menschen wegen angeordnet sind. Als aber Samuel einmal sah, daß sie die Gerechtigkeit vernachlässigten und von der Liebe Gottes abfielen, daß sie dagegen meinten, durch Opfer und die übrigen vorbildlichen Beobachtungen Gott versöhnen zu können, da sprach er zu ihnen: „Nicht will Gott Brand- und Schlachtopfer, sondern er will, daß seine Stimme gehört werde. Siehe, gutes Hören ist besser als Schlachtopfer, und Gehorsam ist besser als Widderfett“1 . David aber sagt: „Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gewollt; Ohren jedoch hast du mir gegeben; Brandopfer auch für die Sünde hast du nicht gewollt“2 . Das soll heißen: Gott will Gehorsam, der die Menschen bewahrt, nicht Brand- und Schlachtopfer, die zur Gerechtigkeit nichts nützen, und zugleich weist er prophetisch hin auf das Neue Testament. Noch deutlicher spricht er hierüber im fünfzigsten Psalm: „Wenn du ein Schlachtopfer gewollt hättest, hätte ich es freilich gegeben; durch Brandopfer wirst du nicht ergötzt. Ein Brandopfer ist dem Herrn ein zerknirschter Geist, ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wird der Herr nicht verachten“3 . Daß aber Gott nichts gebraucht, sagt David in dem vorhergehenden Psalm: „Nicht will ich annehmen von deinem Hause Kälber, noch Böcke von deinen Herden. Denn mein sind alle Tiere der Erde, die Lasttiere auf den Bergen und die Ochsen. Ich kenne alle Vögel des Himmels und die Arten des Feldes sind vor mir. Wenn ich hungere, werde ich es dir nicht sagen, denn mein ist der Erdkreis und seine Fülle. Esse ich denn Fleisch von Stieren, oder trinke ich das Blut von Böcken?“4 Damit man aber nicht meine, daß er nur zurückweise, weil er zürne, gibt er gleich darauf den Rat: „Opfere Gott das Opfer des Lobes und erfülle dem Höchsten deine Gelübde und rufe mich an am Tage deiner Trübsal, und ich will dich erretten, und du wirst mich preisen“5 . Das also, wodurch die Sünder glaubten, ihn zu versöhnen, weist er zurück, was aber den Menschen rechtfertigt und Gott näher bringt, das empfiehlt er dringend. Dasselbe sagt auch Isaias: „Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer? spricht der Herr; ich bin davon voll“6 . Und während er die Brand-, Schlacht- und Speiseopfer, auch die Neumonde, Sabbate und Festtage und die übrigen damit zusammenhängendem Beobachtungen ablehnt, rät er gleich darauf als nutzbringend an: „Waschet euch, seid rein, bringet weg die Bosheiten von euren Herzen aus meinen Augen; höret auf mit euren Schlechtigkeiten, lernet Gutes tun, erforschet das Rechte, suchet auf den, der Unrecht duldet, schaffet Recht den Waisen und Gerechtigkeit der Witwe, dann kommet, und lasset uns reden, spricht der Herr“7 .

1: 1 Kön. 15,22
2: Ps. 39,7
3: Ebd. 50,18 f.
4: Ebd. 49,9 ff.
5: Ebd. 49,14 f.
6: Jes. 1,11
7: Ebd. 1,16 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger