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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Viertes Buch

1. Die Dauer seines Irrtums.

s 58> Während eben jenes Zeitraumes von neun Jahren, von meinem neunzehnten Lebensjahre bis zum achtundzwanzigsten, wurde ich in die Irre geführt und führte andere irre, betrogen und betrügerisch in allerlei Leidenschaften, öffentlich durch die sogenannten freien Künste, heimlich unter dem gemißbrauchten Namen der Religion. Hier stolz, dort abergläubisch, überall aber eitel strebten wir bald nach eitler Volksgunst, die wir auch im Beifallsklatschen des Theaters, in Streitgedichten, im Kampf um verwelkende Lorbeerkränze, in Schauspielpossen und zügelloser Sinnlichkeit erstrebten, bald suchten wir Reinigung von diesem Schmutz, indem wir denen, welche die Auserwählten und Heiligen hießen, Speise zutrugen, damit sie uns in der Werkstatt ihres Magens daraus Engel und Götter zu unserer Befreiung bilden möchten. Solchen Bestrebungen lag ich ob mit meinen durch mich und mit mir betrogenen Freunden. Mögen sie jetzt in ihrem Hochmute mich verlachen, die noch nicht zu ihrem Heile von dir, mein Gott, niedergeworfen und gedemütigt sind; ich will dennoch dir zum Lobe meine Schandtaten bekennen. Ich bitte dich, laß mich mit deiner Hilfe in meiner Erinnerung die verschlungenen [S. 59] Wege meines früheren Irrtums nochmals durchwandern und dir "ein Lobopfer darbringen"1. Denn was bin ich mir ohne deine Unterstützung als ein Führer in den Abgrund? Oder was bin ich, wenn es wohl um mich steht, anders als ein Kind, das deine Milch trinkt und dich genießt, die nie verderbende Speise? Und was für ein Mensch ist jeglicher Mensch, insofern er Mensch ist? Aber mögen uns die Starken und Mächtigen verlachen, wir, die Schwachen und Armen, wollen dir bekennen!

1: Ps. 49,14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger