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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Viertes Buch

7. Der Schmerz bringt ihn um alle Ruhe und treibt ihn gar von Tagaste nach Karthago.

O über den Unverstand, der die Menschen nicht menschlich nur zu lieben versteht! O über den Toren, der das Menschliche nicht mit Maß zu ertragen versteht! So aber war ich damals. Daher war ich immer in Aufruhr, ich seufzte, weinte und fand in meiner Unruhe weder Rast noch Rat. Denn ich trug ein zerrissenes und blutendes Herz in mir, dem es verhaßt war, von mir getragen [S. 67] zu werden, für das ich aber keinen Ruheplatz wußte. Nicht in lieblichen Hainen, nicht in Spielen und Gesängen, nicht in angenehm duftenden Grotten, nicht bei auserlesenen Gastmählern noch beim Liebesgenuß, nicht einmal im Studium und in der Beschäftigung mit der Literatur wollte es sich beruhigen. Alles flößte mir Schauer ein, selbst die Nacht, und alles, was nicht er war, ausgenommen Klagen und Tränen, erregte mein Mißfallen und meinen Haß in diesen allein fand ich einige Ruhe. Sobald aber mein Herz davon frei wurde, lastete wieder auf mir die schwere Bürde des Elends. Bei dir, o Herr, hätte ich Erleichterung und Heilung suchen sollen, ich wußte es, aber ich wollte es nicht und vermochte es auch nicht, weil du mir nach meinen damaligen Begriffen nichts Zuverlässiges und Bestimmtes warst. Nicht du warst es ja sondern ein leeres Trugbild und mein Irrtum war mein Gott. Und so oft ich es versuchte, ihm dort einen Ruheplatz zu bereiten, versank es ins Leere und stürzte wieder über mich selbst, und ich blieb allein übrig als der unselige Ort, wo ich nicht sein, von wo ich nicht weggehen konnte. Wohin hätte denn mein Herz vor meinem Herzen fliehen sollen? Wohin ich vor mir selbst? Wohin wäre ich mir nicht gefolgt? Und dennoch floh ich aus der Vaterstadt. Denn weniger vermißten meine Augen ihn dort, wo sie ihn zu sehen nicht gewohnt waren, und so verließ ich Tagaste und kam nach Karthago.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger