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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Viertes Buch

11. Alles Geschaffene ist unbeständig; Gott allein besteht in Ewigkeit.

Sei nicht eitel, meine Seele, und laß das Ohr deines Herzens nicht betäuben durch den Aufruhr deiner Eitelkeit! Höre auch du es: das Wort ruft dir selbst zu, zurückzukehren, und dort ist die Stätte ungetrübter Ruhe, wo Liebe nicht verlassen wird, es sei denn, sie verließe sich selbst. Siehe die Dinge vergehen, damit andere nachfolgen und das irdische Ganze aus allen seinen Teilen sich zusammensetze. "Verschwinde etwa auch ich irgendwohin?" fragt das Wort Gottes. In ihm also schlage deine bleibende Wohnstätte auf, vertraue alles dem Worte, was du von ihm hast, meine Seele, die du endlich der Täuschungen müde geworden bist. Der Wahrheit übergib, was du von der Wahrheit hast, und du wirst nichts verlieren; deine verwesten Glieder werden wieder aufblühen, all deine Krankheiten geheilt werden; was hinfällig ist an dir, wird umgestaltet, erneuert und aufs innigste mit dir verbunden werden. Es wird dich dann nicht mehr hinabziehen, wohin es selbst drängt, sondern mit dir bestehen und bleiben bei dem immer bestehenden und bleibenden Gott. Warum willst du in Verkehrtheit deinem Fleische folgen? Es soll vielmehr dir in deiner Bekehrung folgen. Alles was du durch jenes wahrnimmst, ist nur ein Teil; das Ganze kennst du nicht, von dem jenes die Teile sind, und dennoch hast du deine Freude an ihnen. Aber wenn der Sinn deines Fleisches fähig wäre, das Ganze [S. 71] zu erfassen, und wenn er nicht dir zur Strafe in einem Teile des Universums auf ein bestimmtes Maß beschränkt wäre, so würdest du wünschen, daß alles, was in der Gegenwart besteht, vorübergehe, damit deine Freude an der Gesamtheit größer werde. Denn mit eben demselben Sinn des Leibes hörst du die Worte, und doch willst du nicht, daß die einzelnen Silben Bestand haben, sondern vorübereilen, auf daß andere kommen und du das Ganze hörst. So gewähren immer alle Teile, aus denen eine Einheit besteht, obwohl durchaus nicht alles, woraus es besteht, zugleich besteht, in ihrer Ganzheit größere Freude als die einzelnen Bestandteile, wenn sie nebeneinander empfunden werden könnten. Weit vorzüglicher aber als all dies ist der, der alles geschaffen hat, und der ist unser Gott selbst, der nicht vergeht, weil auch nichts Ihm folgt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger