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Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)
Zweites Buch

32. Kapitel: Verhältnis der Gnostiker zu Jesu Lehre von den guten Werken

1.

Ihre gottlose Lebensmaxime aber, die da besagt, man müsse alle Werke, auch die schlechtesten, durchprobieren, wird aus der Lehre des Herrn vernichtet1 . Er verurteilt nicht nur den, welcher die Ehe bricht, sondern schon den, der sie brechen will. Bei ihm wird nicht nur der, welcher tötet, als Mörder des Gerichtes schuldig, sondern schon der, welcher seinem Bruder ohne Grund zürnt. Er befiehlt nicht allein, die Menschen nicht zu hassen, sondern die Feinde sogar zu lieben. Er verbietet nicht nur das falsche Schwören, sondern das Schwören überhaupt. Nicht nur nichts Schlechtes sollen wir von dem Nächsten reden, sondern wir dürfen ihn nicht einmal Racha oder Tor nennen, sonst sind wir des höllischen Feuers schuldig. Wir dürfen nicht nur nicht schlagen, sondern sollen, wenn wir geschlagen werden, noch die andere Backe hinhalten; das Fremde nicht nur nicht verleugnen, sondern das Eigne nicht einmal zurückverlangen, wenn es uns genommen wird. Wir dürfen den Nächsten nicht nur nicht verletzen oder ihm sonst etwas Böses tun, sondern sollen, wenn wir schlecht behandelt werden, großmütig sein, Güte unsern Feinden erweisen und für sie beten, damit sie Buße tun und gerettet werden, und in keinem Stücke dürfen wir ihren Beschimpfungen, ihren Lüsten, ihrem Hochmut nachahmen.

Wenn nun der, den jene als Lehrer rühmen, von dem sie sagen, daß seine Seele besser und stärker als die der übrigen gewesen sei, mit allem Nachdruck alles zu tun befohlen hat, was gut und herrlich ist, in anderer Hinsicht aber nicht bloß die Werke, sondern auch die bösen, schädlichen, nichtswürdigen Gedanken verboten hat, die zu bösen Werken führen, müssen sie sich dann nicht schämen, ihn als einen hervorragend starken und guten Lehrmeister zu bezeichnen und doch seiner Lehre offenbar widersprechende Vorschriften zu geben? Würde es in Wirklichkeit nichts Schlechtes oder Gutes geben, sondern nur nach der Meinung der Menschen für dieses oder jenes gelten, dann hätte er nicht so sicher gesprochen: „Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne in dem Reiche ihres Vaters“2 . Die Ungerechten aber und, die keine Werke der Gerechtigkeit hervorbringen, wird er in das ewige Feuer schicken, „wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“3 .

1: Mt. 5,21 ff.
2: Mt 13,43
3: Mt 25,41; Mk. 9,45

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger