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Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)
Erstes Buch

14. Seine Abneigung gegen das Griechische.

Warum also haßte ich die griechische Grammatik, wenn sie uns Ähnliches vortrug? Denn auch Homer versteht es, solche Fabeln zusammenzuweben, und stellt in gar anmutiger Weise Torheiten dar; und doch konnte ich als Knabe ihn nicht leiden. Vermutlich ergeht es griechischen Knaben mit Vergil genau so, wenn sie gezwungen werden, ihn so verstehen zu lernen wie ich den Homer. Die Schwierigkeit nämlich, eine fremde Sprache von Grund aus zu erlernen, diese Schwierigkeit vergällte mir jeden Genuß der schönen Literatur in griechischer Sprache. Ich kannte ja noch kein einziges Wort jener Sprache, und heftig setzte man mir mit Drohungen und Strafen zu, sie doch zu lernen. Zwar waren auch die lateinischen Wörter mir einmal völlig unbekannt, und doch lernte ich sie durch genaues Aufmerken ohne Angst und Qual unter den Liebkosungen der Ammen, unter Scherzen und Lachen und fröhlichem Spiel. So lernte ich sie ohne jeden strafenden Druck von irgendeiner Seite; nur mein eigenes Herz trieb mich, das, was es dachte, zu offenbaren. Und auch das hätte ich nicht vermocht, wenn ich nicht einige Worte gelernt hätte, nicht von Leuten, die mich lehren wollten, sondern von solchen, die sie einfach gebrauchten; diesen wollte nun auch ich meine Empfindungen kundtun. Das beweist genügend, daß die Wissbegierde in ihrer Freiheit größeren Einfluß auf die Erlernung dieser Dinge ausübt als der Zwang mit seiner Furcht. Doch wird der Strom der Wißbegierde durch Zwang in das Bett deiner Gesetze, o Gott, gebannt, deiner Gesetze von den Zuchtruten der Lehrer angefangen bis zu den Prüfungen der [S. 19] Märtyrer; sie vermögen heilsame Bitterkeit beizumischen, die uns zurückruft von der verderblichen Lust, welche uns von dir getrennt hat.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger