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Tertullian († um 220)
Über den Götzendienst
(De Idololatria)

1. Der Götzendienst schließt eigentlich alle ändern Sünden ein. Jede formelle Sünde aber involviert einen Akt des Götzendienstes im weitern Sinne.

[S. 138] Die Grundsünde des Menschengeschlechts, der Inbegriff aller seiner Verschuldungen, der ausschließliche Gegenstand für das Weltgericht ist eigentlich die Idololatrie. Wenn auch jedwede Sünde ihre Eigenart behält, wenn sie gleich um ihretwillen allein schon das Gericht zu erwarten hat, so läuft sie doch schließlich auf die Sünde der Idololatrie hinaus. Sieht man von den Benennungen ab und hat nur die Handlungen im Auge, so ist der Götzendiener auch ein Mörder, Du fragst, wen er denn gemordet habe? Sollte eine aktenmäßige Feststellung gewünscht werden, so antworte ich, nicht einen Fremden, nicht einen Gegner, sondern sich selbst. Welches war der Hinterhalt? Sein Irrtum. Mit welcher Mordwaffe? Durch die Beleidigung Gottes, Mit wievielen Wunden? Mit so vielen, als er götzendienerische Handlungen beging. Nur wer leugnet, dass der Götzendiener tot sei, kann leugnen, dass ein Mord begangen worden sei. Ebenso dürfte man auch Ehebruch [S. 139] und Hurerei darin erkennen. Wer falschen Göttern dient, der begeht ohne Zweifel einen Ehebruch an der Wahrheit, weil jeder Betrug ein Ehebruch ist. In gleicher Weise steckt er tief in der Hurerei. Denn jeder, der sich mit den Werken der unreinen Geister abgibt, ist mit Unflätereien und Hurereien beladen. Und so bedient sich denn die Hl. Schrift des Wortes Hurerei, wenn sie ihren Tadel gegen den Götzendienst ausspricht! Das Wesen des Betruges besteht nach meiner Meinung darin, dass jemand fremdes Gut raubt oder einem ändern eine Schuld ableugnet. In jedem Falle kennzeichnet sich schon der gegen einen bloßen Menschen begangene Betrug als ein sehr großes Verbrechen. Nun aber enthält die Idololatrie einen Betrug gegen Gott, indem sie die ihm zukommende Ehre verweigert und sie ändern zuwendet. So wird zum Betrüge auch noch Schmach hinzugefügt. Wenn nun der Betrug sowohl als die Hurerei und der Ehebruch todbringend sind, dann ist die Idololatrie ebenso wenig von der Schuld des Menschenmordes freizusprechen.

Neben diesen Verbrechen, die so verderblich und heilsgefährlich sind, treten in der Idololatrie in gewisser Weise auch alle übrigen, jedes für sich und ebenso behandelt, mit seiner Eigenart zutage. Keine feierliche Begehung des Götterdienstes geschieht ohne Putz und Pomp. Es gibt dabei Ausgelassenheiten und Trunkenheit, da sie so häufig nur wegen des Genusses von Speisen und Trank, um der Schlemmerei und Lust willen angestellt werden. In ihr findet sich Ungerechtigkeit Denn was gibts Ungerechteres, als wenn man den Vater der Gerechtigkeit nicht kennt? In ihr ist Torheit, da ihr ganzes Wesen ein törichtes ist. In ihr findet sich Lüge, da ihr ganzes Wesen auf Lüge beruht. So kommt es, dass alles sich in der Idololatrie und die Idololatrie sich in allem wiederfindet. Aber auch sonst begeht Idololatrie ohne Zweifel jeder, der sich versündigt; denn sämtliche Sünden sind gegen Gott gerichtet. Alles, was gegen Gott gerichtet ist, muss den Dämonen und unreinen Geistern zugeschrieben werden. Der Sünder tut, was sich für Götzendiener schickt.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung zu Tertullian
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger