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Tertullian († um 220) - Über den Götzendienst (De Idololatria)

23. Sogar bei Abfassung von Schuldverschreibungen und Kautionen gibt es Gelegenheit zu götzendienerischen Handlungen und Reden.

Allein es gibt noch einen Fall der Art in Wort und Tat, doppelschneidig und nach beiden Seiten hin bedenklich, wenn er dir auch vorschmeichelt, als hätte es in beiden Hinsichten nichts auf sich, indem keine Handlung ersichtlich ist, weil kein gesprochenes Wort vorliegt. Diejenigen nämlich, welche von Heiden auf [S. 172] sichergestellte Unterpfänder Geld leihen, geben durch einen Eidschwur Sicherheit und behaupten so, nicht darum zu wissen1. Christus hat die Vorschrift gegeben, nicht zu schwören. -- „Ich habe es", erwidert man, „ja nur schriftlich von mir gegeben, ohne etwas zu sagen. Die Zunge tötet, nicht der Buchstabe." -- Hier berufe ich mich auf die Natur und das Bewusstsein, auf die Natur, weil die Hand, wenn die Zunge nicht diktiert, sondern unbeweglich und ruhig bleibt, nichts schreiben kann, was ihr nicht die Seele diktiert hat. Die Seele ist es, welche der Zunge diktiert, was sie entweder selbst erdacht oder von einem ändern gelernt hat. Man komme auch nicht mit der Entschuldigung: ein anderer hat es diktiert. Da berufe ich mich auf dein Selbstbewusstsein und frage, ist es nicht die Seele, welche das, was der andere diktiert, in sich aufnimmt, und vermittelt sie es nicht der Hand mit oder ohne Hilfe der Zunge? Glücklicherweise haben wir aber einen Ausspruch des Herrn, der besagt, man könne auch im Geist und in seinem Innern sündigen, „Wenn", heisst es, „die Begierde oder Bosheit in das Herz des Menschen gestiegen ist"2, so gilt das für die Tat. Du hast Sicherheit gegeben; dieser Akt ist sicherlich in dein Herz gedrungen, und du kannst nicht davon behaupten, du habest es nicht gewusst oder nicht gewollt. Denn als du die Sicherheit gabst, wusstest du darum; wenn du darum wusstest, hast du es gewollt; du bist der Handelnde gewesen in Werken wie in Gedanken und bist nicht imstande, durch ein kleineres Vergehen das größere auszuschalten und zu sagen, es geschehe durch dieses Sicherheitgeben etwas völlig Illusorisches, indem du sonst nicht dabei tätig bist. -- „Ich habe aber doch nicht verleugnet, da ich gar nicht geschworen habe," -- Gut, wenn du auch nichts der Art getan hättest, so würde man doch auch so von dir sagen müssen, du habest geschworen, wenn [S. 173] du deine Zustimmung aussprichst. -- „Das lautlose Wort, erlangt es nicht Kraft durch die Feder, der unhörbare Ton nicht in den Buchstaben?" -- Der mit zeitweiliger Beraubung seiner Sprache gestrafte Zacharias redete mittels seiner Seele und ließ dabei die Zunge untätig, das Herz diktierte den Händen, und er gab so, ohne den Mund zu gebrauchen, den Namen seines Sohnes an. Er spricht mittels der Feder, er macht sich vernehmlich durch die Schreibtafel, die Hand ist lauter als jeder Ruf, der Buchstabe hörbarer als jede Stimme, Untersuche erst noch, ob der gesprochen habe, dessen Rede man verstand. Lasst uns nun den Herrn bitten, dass wir nicht in die Notwendigkeit kommen, solche Kontrakte machen zu müssen, und wenn es doch geschieht, so möge er dem Mitchristen die Mittel zum Handeln3 oder uns die nötige Fertigkeit geben, jeden Zwang abzuweisen, damit nicht jene Schriftstücke der Apostasie, wo unsere Schriftzüge die Stelle der Worte vertreten, am Tage des Gerichts gegen uns herangezogen werden, nicht mit den Siegeln des Advokaten, sondern mit denen der Engel untersiegelt.

1: Diese Stelle bleibt bei dem Texte der neuen Ed. Vindob. ebenso dunkel wie nach den älteren Ausgaben. Darum lasse ich, um nicht etwas bloß Mutmaßliches zu geben, die Worte Volunt bis praesidis aus.
2: Matth. 5,28.
3: D.h. durch Spenden ihre Mitbrüder aus der Notwendigkeit Schulden zu machen, befreien.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung zu Tertullian
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger