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Tertullian († um 220) - Über den Götzendienst (De Idololatria)

18. Amtliche Trachten und Abzeichen haben zuweilen etwas Götzendienerisches an sich.

Nun wäre über den Schmuck an sich und das äußere Gepränge, welches mit den Ehrenstellen verbunden ist, zu handeln. Jeder hat seine eigene Kleidung, sowohl für den häuslichen Gebrauch, als auch bei den Ehrenstellen und den Würden. Also waren vormals bei den Ägyptern und Babyloniern der Purpur und der goldene Halsschmuck in derselben Weise Abzeichen der Würde, wie jetzt die mit Purpur gestreifte, die ganz purpurne oder gestickte Toga und die goldenen Kronen der Priester in den Provinzen, aber nicht in derselben Weise. Denn sie wurden lediglich als ehrende Auszeichnung denen verliehen, welche des nähern Umgangs mit den Königen gewürdigt wurden. Daher hießen die Betreffenden: Bepurpurte des Königs, von ihrem Purpur, wie bei uns die Kandidaten so heißen von der weißen Toga. Aber dieses äußere Gepränge legte keine Verpflichtungen zu Priesterdiensten oder gegen Idole auf. Denn wenn dem so gewesen wäre, so würden gewiss Männer von solcher Heiligkeit und Standhaftigkeit solche Kleider als befleckt abgewiesen haben, und es wäre gleich an den Tag getreten, dass Daniel nicht den Idolen diene und weder Bei noch den Drachen verehre, was später wirklich klar wurde. Der einfache Purpur war bei den Barbaren auch nicht einmal Abzeichen einer Würde, sondern der freien Geburt, Denn so gut wie Joseph, der ein Sklave gewesen war, und Daniel, der durch Kriegsgefangenschaft seine Standesrechte [S. 166] verloren hatte, durch das Gewand des dortigen freien Standes das Bürgerrecht von Babylon und Ägypten erlangt haben, so kann auch bei uns der Christ, wenn es notwendig ist, seinen Knaben die gestreifte Toga (toga praetexta) sowie den Mädchen die Stola gestatten, als Zeichen der Abkunft, nicht der politischen Stellung; der Familie, nicht eines Ehrenamtes; des Ranges, nicht der Religion. Im übrigen aber sind der Purpur und die sonstigen Abzeichen von Würden und Ämtern der den letztern anhaftenden Idololatrie von Anfang an geweiht und tragen den Schandfleck ihrer Unheiligkeit an sich, zumal da die Götzenbilder selbst mit gestreiften, gestickten und breitgestreiften Togen bekleidet und ihnen auch Fasces und Stäbe vorgetragen werden. Und mit Recht. Denn die Dämonen sind die Obrigkeiten der Heidenwelt; sie führen als Abzeichen dafür, dass sie einer Genossenschaft angehören, Fasces und Purpur. Was wirst du also gewonnen haben, wenn du dich ihres Gepränges zwar bedienst, ihre Werke jedoch nicht ausübst? Niemand kann in der Gesellschaft von Unreinem als ein Reiner gelten. Wenn du einen an sich schmutzigen Kittel anziehst, so kann es sein, dass derselbe durch dich vielleicht nicht mehr beschmutzt wird, aber du wirst auch durch ihn nicht rein werden. Was dann die Sophistereien mit Joseph und Daniel angeht, so wisse, dass man altes und neues, rohes und verfeinertes, angefangenes und vollendetes, knechtisches und freies nicht immer in Vergleich zu einander stellen kann. Jene waren nämlich auch ihrer Stellung nach Sklaven, du aber bist niemandes Sklave, als nur ein Sklave Christi, der dich aus der Gefangenschaft der Welt befreit hat, und wirst nach der Art und Weise deines Herrn handeln müssen.

Jener, der Herr, wandelte in Demut und Unscheinbarkeit einher, unstet in Hinsicht der Wohnung -- „denn des Menschen Sohn", heißt es, „hatte nicht, wohin er sein Haupt lege"1, in schmuckloser Kleidung, denn sonst hätte er nicht gesagt: „Siehe, die sich weichlich [S. 167] kleiden, sind in den Palästen der Fürsten"2 -- , endlich von Antlitz und Aussehen unansehnlich, wie auch Isaias vorhergesagt hatte3. Wenn er fernerhin weder eine Macht noch ein Recht, nicht einmal über die Seinigen, ausübte, sondern ihnen niedrige Dienste leistete, wenn er sich endlich, obwohl seines Königtums bewusst, weigerte, König zu werden, so gab er den Seinigen ein vollkommenes Vorbild, gegen allen Stolz und alles Gepränge sowohl der Würde als der Macht unempfindlich zu sein. Wer hätte sich dessen mehr bedienen sollen als der Sohn Gottes? -- Wieviele und was für Fasces hätten ihm das Geleite gegeben, was für ein Purpur hätte nicht auf seinen Schultern erglänzt, wieviel Gold von seinem Haupte gestrahlt, wenn er nicht zu verstehen gegeben hätte, dass weltliche Herrlichkeit ihm und den Seinigen fremd sei!? Er hat also, was er nicht begehrte, verschmäht; was er verschmähte, verurteilt; was er verurteilte, der Pracht des Teufels beigezählt. Denn er kann diese Dinge nur verdammt haben, weil sie nicht sein sind; was aber nicht Gottes ist, kann niemand anders angehören als dem Teufel. Wenn du die Pracht des Teufels abgeschworen hast, so wisse, es ist Idololatrie, wenn du etwas davon anrührst. Auch der Umstand schon, dass die Machthaber und Würdenträger der Heidenwelt es sind, durch welche gegen die Diener Gottes Todesstrafen beschlossen werden und die Kenntnis der den Gottlosen bereiteten Strafen unbekannt bleibt, sollte dich daran erinnern, dass sie alle nicht nur nicht von Gott kommen, sondern ihm widerstreben. Aber auch deine Geburt und dein Besitztum machen dir hinsichtlich der Idololatrie Beschwerden, Um ihnen zu entgehen, kann es dir an Auswegen nicht fehlen, und wenn sie fehlen sollten, so bleibt dir doch das eine übrig, dass du, wenn auch nicht auf Erden, so doch im Himmel eine um so glückseligere Magistratsperson werden wirst4.

1: Luk. 9,58.
2: Matth. 11,8.
3: Is. 53,2.
4: Nämlich im äußersten Fall das Martyrium.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung zu Tertullian
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger