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Tertullian († um 220) - Über die Schauspiele (De spectaculis)

3. Andere sagen, es finde sich kein Verbot des Besuchs der Schauspiele in der Hl. Schrift.

Nachdem wir durch diese Erwägung gegen die heidnische Ansicht gerüstet sind, wollen wir uns nun umsomehr gegen die Ausflüchte der Unsrigen wenden. Einige verlangen in ihrem allzu buchstäblichen oder zu grüblerischen Glauben behufs der geforderten Enthaltung von den Spielen einen Beleg aus der Hl, Schrift und erklären die Sache für unentschieden, weil diese Enthaltung den Dienern Gottes nicht in deutlicher und direkter Weise anbefohlen wird. Freilich finden wir nirgends in der Weise, wie es sonst ganz deutlich heisst: „Du sollst nicht töten, du sollst keinen Götzen verehren, du sollst nicht ehebrechen, du sollst keinen Betrug begehen" — unumwunden festgesetzt: Du sollst nicht in den Zirkus gehen, nicht ins Theater; du sollst nicht den Wettkämpfen und den Spielen zuschauen! Jedoch wir sehen, dass jener erste1 Ausspruch Davids auf unsern Fall [S. 107] angewendet werden kann: „Glücklich der Mann, der nicht in die Versammlung der Gottlosen geht und auf dem Wege der Sünder nicht steht und auf dem Stuhle der Pestilenz nicht sitzt". Denn wenn David auch damit scheinbar jenen Gerechten gepriesen hat, der an der Versammlung und Ratssitzung der Juden, als sie über die Tötung des Herrn Rats pflogen, nicht beteiligt war, so hat doch die göttliche Schrift überall da, wo neben der Beziehung auf das jedesmalige Objekt eine sittliche Lehre begründet wird, weitgreifende Beziehungen, Daher liegt auch hier dem Ausspruch ein Verbot der Schauspiele nicht fern. Denn wenn er jene Handvoll Juden damals als eine Versammlung der Gottlosen bezeichnete, um wieviel mehr denn noch eine so gewaltige Ansammlung des Heidenvolkes2! Sind die Heiden etwa weniger gottlos, weniger Feinde Christi als die damaligen Juden? Auch alles übrige passt. Denn auch bei den Schauspielen steht man auf dem Wege, Wege und Durchgänge3 nennt man nämlich die Abteilungswege der Terrassen ringsherum und in der Richtung nach unten zur Trennung der Klassen des Publikums, Gestühl werden die Sitzplätze in der Rundung ringsumher genannt. Und so ist denn im Gegenteil derjenige unglücklich, der in irgendwelche Versammlung der Gottlosen geht, auf irgendeinem Wege der Sünder steht oder auf einem Stuhle der Pestilenz sitzt, welcher es auch immer sei. Sehen wir es als ganz allgemein gesagt an, wenn etwas eine Beziehung auf die einzelnen Dinge zulässt! Haben ja doch selbst manche nur auf das Einzelne lautende Aussprüche einen allgemeinen Sinn, Wenn Gott die Israeliten zur Ordnung mahnt oder ihnen Vorwürfe macht, so hat er ganz sicher alle im Auge; wenn er Ägypten oder Äthiopien den Untergang drohet, so spricht er ein Urteil gegen jedes sündhafte Volk aus. Wenn jegliches sündige Volk ein Ägypten oder Äthiopien ist, so gehts von der Spezialität zur [S. 108] Art, ebenso wie es von der Art zur Spezialität geht, wenn wegen der Zusammensetzung der Schauspiele Schauspiele jeder Art Versammlungen der Gottlosen sind.

1: Ps. 1,1.
2: Wie im Zirkus.
3: Die freien Gänge im Zuschauerraume des Theaters, die in der Richtung der Peripherie liefen hießen cardines, und die in der Richtung von oben nach unten viae.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger