Tertullian († um 220) - Über die Schauspiele (De spectaculis)
18. Sittlicher Unwert des Stadiums und der Fechtschule. Wolltest du ferner behaupten, der Name Stadium komme auch in der Hl, Schrift vor1, so kannst du allerdings vielleicht Recht behalten, aber du wirst nicht leugnen können, dass, was in den Fechtschulen geschieht, deines Anblickes nicht würdig ist, die Faustschläge, die Fußtritte, die Backenstreiche, welche fallen, das freche Gebaren der Hände und all die Verunstaltungen des menschlichen Antlitzes, dieses Ebenbildes Gottes, Du wirst keinen Beifall spenden den törichten Lauf-, Wurf- und Springübungen, niemals werden schimpfliche und eitle Kraftanstrengungen dein Gefallen finden, so wenig wie die Sorge um angequälte Körperfülle, weil sie das Gebilde Gottes überbieten will, und du wirst die um des griechischen Müßigganges willen gemästeten Menschen verabscheuen2. Auch die [S. 125] Kunst des Ringens ist etwas Teuflisches. Der, welcher die Menschen zuerst zu Boden drückte, war der Teufel. In den Bewegungen selbst ist eine Ähnlichkeit mit der Kampfart der Schlange; zäh sind sie im Festhalten, voll Windungen im Umschlingen und glatt zum Entschlüpfen. Du kannst keine Kränze3 gebrauchen, warum wolltest du in Kränzen dein Vergnügen suchen? 1: Z.B. 1 Kor. 9,24. 2: Die Kämpfer suchten durch ungewöhnlich reichliche und kräftige Nahrung ihrem Körper größere Fülle und damit größere Kraft und Wucht zu verschaffen. 3: Sie waren die Belohnung für siegreichen Kampf.
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