Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Tertullian († um 220) - Über die Schauspiele (De spectaculis)

16. Durch die Spiele werden wütende Leidenschaffen erregt.

[S. 122] Da rasende Wut uns untersagt wird, so hält uns das von jedem Schauspiele fern, auch vom Zirkus, wo recht eigentlich die Wut die Herrschaft führt. Sieh nur das Volk, wie es schon in Wut und Raserei zum Schauspiel herbeikommt; es ist schon im Tumult, schon verblendet, schon durch die Wetten aufgeregt. Der Prätor macht ihm zu lange, beständig richten sich die Blicke nach der Urne mit den Losen; sodann geben sie ängstlich auf das Zeichen acht. Man hört nur eine Stimme eines und desselben Wahnsinns, Man erkennt den Wahnsinn auch an seinem unnötigen Tun. „Er hat es geworfen"1, rufen sie und benachrichtigen einander von dem, was sie allzumal gesehen haben. Ich greife das als einen Beweis für ihre Verblendung auf: sie sehen nicht, was geworfen wurde. Sie meinen, es sei ein Tuch, aber es ist das Sinnbild des aus der Höhe herabgestürzten Teufels, Von diesem Augenblicke an beginnt nun die Raserei, die Aufregung, der Hader und was sonst Priestern des Friedens nicht erlaubt ist. Nun beginnen die Flüche, die Beschimpfungen ohne gerechten Anlass, sowie die Zeichen des Wohlgefallens ohne ein Verdienst der Liebe, Was werden die Leute, die da tätig sind, für sich davon profitieren, sie, die sich nicht einmal selbst angehören? Höchstens, dass sie der Macht über sich selbst beraubt werden: sie betrüben sich über fremdes Unglück und freuen sich über fremdes Glück. Was sie wünschen und was sie nicht wünschen, ist etwas außerhalb ihrer selbst Befindliches, und so ist die Liebe bei ihnen gegenstandslos und der Hass ungerecht. Oder ist es vielleicht erlaubt, ohne Grund zu lieben und ohne Grund zu hassen? Gott verbietet sogar, begründeten Hass zu hegen, indem er es ist, der befiehlt, die Feinde zu lieben, Gott erlaubt nicht einmal, jemandem mit Grund zu fluchen, da er die Fluchenden zu segnen vorschreibt. Aber was ist so voll Bitterkeit als der Zirkus, wo man nicht einmal die Fürsten und Mitbürger verschont?! Wenn von allem dem, [S. 123] worüber der Zirkus rasend ist, den Heiligen auch nur irgend etwas und irgendwo ansteht, dann wird es auch im Zirkus erlaubt sein; wofern aber nirgendwo, dann auch nicht im Zirkus.

1: Wenn alle Vorbereitungen getroffen waren, so warf der Kaiser oder eine Magistratsperson ein weißes Tuch in die Luft, zum Zeichen, dass das rennen beginnen sollte.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)
Allgemeine Einleitung zu Tertullian

Navigation
. . Mehr
. . 8. Dasselbe folgt aus ...
. . 9. Auch die Erfindung ...
. . 10. Auch das Theaterwesen ...
. . 11. Mit den Wettkämpfen ...
. . 12. Dasselbe gilt von ...
. . 13. Ergebnisse aus ...
. . 14. Es ergeben sich ...
. . 15. Die Teilnahme an d...
. . 16. Durch die Spiele ...
. . 17. Der unsittliche ...
. . 18. Sittlicher Unwert ...
. . 19. Verwerflichkeit ...
. . 20. Widerlegung des ...
. . 21. Durch das Anschauen ...
. . 22. Die Schauspieler ...
. . 23. Ihr Treiben ist ...
. . 24. Es ist allgemeine ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger