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Tertullian († um 220) - Über die Schauspiele (De spectaculis)

15. Die Teilnahme an den Spielen widerstrebt im allgemeinen der Heiligkeit.

So steht es also, wie gesagt, mit dem ersten Beschwerdepunkt gegen die Spiele, mit der Idololatrie; nun wollen wir zeigen, dass auch die übrigen sittlichen Eigenschaften der Dinge, die da vor sich gehen, alle gegen Gott gerichtet sind. Gott hat befohlen, mit dem Heiligen [S. 121] Geist, der vermöge der Vorzüge seiner Natur schon zart und empfindlich ist, in Ruhe und Milde, in Stille und Seelenfrieden umzugehen, ihn nicht durch Wut und Grimm, durch Zorn und Verdruss zu stören1. Wie lässt er sich aber bei der Teilnahme an den Spielen bewahren? Kein Schauspiel geht vor sich ohne starke geistige Erregung, Denn wo es sich um Vergnügen handelt, da ist auch Interesse dafür da, wodurch natürlich das Vergnügen erst seine Anziehungskraft bekommt, und wo Interesse ist, da ist auch Neid und Eifersucht, wodurch das Interesse erst seine Anziehungskraft bekommt. Wo aber Neid und Eifersucht ist, da ist auch Wut, Ärger, Verdruss und so weiter infolge der Dinge, welche samt diesen Affekten mit der sittlichen Zucht unvereinbar sind. Denn wenn auch jemand nach Verhältnis seiner Würde, seines Alters oder Naturells mit Mässigung und Anstand die Schauspiele genießt, so ist er doch nicht unbeweglichen Geistes und ohne verborgene Leidenschaft der Seele, Niemand geht zu einem Vergnügen ohne einen Affekt; niemand erfährt einen Affekt ohne besondere Zufälle. Der Affekt wird eben durch Zufälle hervorgerufen. Wenn aber der Affekt aufhört, so ist auch kein Vergnügen mehr vorhanden, und man ist dann schon eines törichten Beginnens schuldig, indem man dahin geht, wo nichts erfolgt. Ich möchte aber doch denken, auch törichtes Beginnen sei uns etwas Fremdes. Was soll man ferner dazu sagen, dass man sich selbst verurteilt, wenn man sich zwischen die setzt, für derengleichen man nicht gehalten sein will, ja als deren Verächter man sich bekennt! Für uns reicht es nicht aus, wenn wir nichts der Art tun; wir dürfen uns auch denen, welche solches tun, nicht beigesellen. „Wenn du einen Dieb sähest", heisst es, „so pflegtest du mit ihm zu gehen"2. O dass wir doch nicht einmal in der Welt überhaupt mit ihnen zusammen zu sein brauchten! Daher wollen wir uns wenigstens in den Dingen dieser Welt von ihnen absondern, weil die Welt wohl Gott gehört, die Dinge dieser Welt aber dem Teufel.

1: Tertullian denkt wohl an die Stelle Eph. 4,30.
2: Ps. 49,18.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)
Allgemeine Einleitung zu Tertullian

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger