Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)
Erstes Buch
10. Kapitel: Die Kirche als Trägerin der Wahrheit

3.

Wenn nun einzelne mehr als die andern verstehen und wissen, so haben sie keineswegs eine andere Lehre, oder einen andern Gott neben dem Urheber und Schöpfer und Ernährer des Weltalls, gleich als ob ihnen dieser nicht genüge, noch einen andern Christus oder Eingebornen. Ihre höhere Kenntnis besteht vielmehr darin, daß sie den Inhalt der Parabeln verarbeiten und dem Fundament des Glaubens einverleiben, daß sie das Ziel und die Absicht Gottes mit der Menschheit klarlegen, und die Langmut Gottes bei dem Abfall der ungehorsamen Engel, wie bei dem Ungehorsam der Menschen. Sie erörtern, warum ein und derselbe Gott dieses zeitlich, jenes ewig gemacht hat, dies himmlisch, jenes irdisch; sie bemühen sich, zu verstehen, warum der unsichtbare Gott den Propheten nicht in einer, sondern in verschiedenen Gestalten erschien, weshalb mehr als ein Bund mit der Menschheit geschlossen wurde, und welches die besondere Art eines jeden war. Sie suchen zu erforschen, warum Gott „alles im Unglauben verschlossen habe, um sich aller zu erbarmen“1 , und dankbar zu verstehen, warum das Wort Gottes Fleisch geworden ist und gelitten hat, und warum die Ankunft des Sohnes Gottes in den letzten Zeiten stattfindet, d. h. der Anfang am Ende erscheinet. Sie legen auseinander, was in den Schriften über das Ende und die letzten Dinge enthalten ist und verschweigen nicht, warum Gott die einst verstoßenen Heiden nun zu Miterben, Tischgenossen und Mitbürgern der Heiligen gemacht hat. Sie verkünden, auf welche Weise „dieses sterbliche Fleisch anziehen wird die Unsterblichkeit, das Vergängliche die Unvergänglichkeit“2 und „wie das Nichtvolk zum Volk und die Nichtgeliebte zur Geliebten geworden ist“3 , und wie „mehr Kinder die einsame hat, als die, welche den Mann hat“4 . In Bezug auf diese und ähnliche Stellen rief der Apostel aus: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes. Wie unerforschlich sind seine Urteile und wie unergründlich seine Wege!“5 Darin aber besteht nicht ihre höhere Kenntnis, daß sie über den Schöpfer und Demiurgen hinaus noch als Mutter die Enthymesis eines verirrten Äonen ersinnen und so bis zur Gotteslästerung sich versteigen. Auch lügen sie nicht über diese wieder hinaus noch ein Pleroma, oder dreißig oder ein ganzes Volk von Äonen hinzu. Solche Lehrmeister sind wahrlich von der göttlichen Einsicht verlassen. Die gesamte Kirche aber, wie gesagt, hat nur einen und denselben Glauben, verkündet nur diesen für die ganze Welt.

1: Röm. 11,32
2: 1 Kor. 15,54
3: Hos. 2,23; Röm. 9,25
4: Jes. 54,1; Gal. 4,27
5: Röm. 11,23

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
Erstes Buch
. Mehr
. 2. Kapitel: Die Verirrung ...
. 3. Kapitel: Allegorische ...
. 4. Kapitel: Die Vorgänge ...
. 5. Kapitel: Erschaffung ...
. 6. Kapitel: Die Moral ...
. 7. Kapitel: Dreierlei ...
. 8. Kapitel: Weiterer ...
. 9. Kapitel: Widerlegung ...
. 10. Kapitel: Die Kirche ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. 11. Kapitel: Die versc...
. 12. Kapitel: Die Lehre ...
. 13. Kapitel: Markus, ...
. 14. Kapitel: Die Buchs...
. 15. Kapitel: Weitere ...
. 16. Kapitel: Schluß ...
. 17. Kapitel: Erklärung ...
. 18. Kapitel: Die Schö...
. Mehr
Zweites Buch
Drittes Buch
Viertes Buch
Fünftes Buch

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger