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Tertullian († um 220) - Über die Geduld (De patientia)

9. Der Schmerz über den Verlust der Angehörigen wird bei den Christen durch die Geduld gelindert und erträglich gemacht.

icht einmal jene Art von Ungeduld, die durch den Verlust unserer Angehörigen herbeigeführt wird, wo dem Schmerz eine Art Recht zur Seite steht, lässt sich verteidigen. Denn man muss der Rücksicht auf den Befehl des Apostels den Vorzug geben, der sagt: „Betrübet euch nicht beim Hinscheiden von irgend jemand wie die Heiden, welche keine Hoffnung haben1". Und mit Recht. Denn indem wir an die Auferstehung Christi glauben, glauben wir, um derentwillen er gestorben und auferstanden ist, auch an unsere Auferstehung. Da für uns also die Auferstehung der Toten eine feststehende Sache ist, so ist für den Schmerz über den Tod kein Platz mehr, ebensowenig für die Ungeduld in Ertragung des Schmerzes, Warum solltest du es mit Ungeduld ertragen, dass dir vorläufig eine Person entrissen sei, von der du glaubst, dass sie zurückkehren werde? Was du für Sterben hältst, ist nur ein Verreisen. Wer vorausgegangen ist, den darf man nicht betrauern, sondern höchstens nach ihm verlangen. Auch dieses Verlangen muss durch die Geduld gemildert werden. Warum wolltest du den Hingang derer, denen du bald nachfolgen wirst, nicht mit Mäßigung ertragen? Im übrigen ist Ungeduld in dergleichen Dingen auch ein schlechtes Zeichen für unsere eigene Hoffnung sowie eine Abirrung [S. 49] vom Glauben. Sogar Christum selbst beleidigen wir, wenn wir die von ihm Abberufenen beklagen zu müssen glauben und ihren Verlust nicht mit Ruhe ertragen. „Ich wünsche", sagt der Apostel, „aufgenommen zu werden und bei Christus zu sein"2. Er hält uns einen ganz ändern Gegenstand des Begehrens vor! Sind wir nun traurig und ungeduldig, wenn andere ihre Wünsche erreicht haben, dann haben wir selbst den Wunsch nicht, sie zu erreichen.

1: 1 Thess. 4,12.
2: Phil. 1,28.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Persönliche Schriften (Über das Pallium oder den Philosophenmantel, über die Geduld und an seine Frau)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger