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Tertullian († um 220) - Über die Geduld (De patientia)

16. Sie ist nicht zu verwechseln mit Stumpfsinn, Gefühllosigkeit und sittlicher Gleichgültigkeit.

Das ist die Geduld in der Theorie, das der Praxis nach; das sind ihre Werke, wenn sie die himmlische und wahre, wenn sie nämlich die christliche Geduld ist. Denn um auch in dieser Sache sich mit dem Herrn als Rivale sozusagen ganz auf gleichen Fuß zu stellen - nur dass dabei eben der Unterschied des Guten und Bösen ebenso an Größe sich gleich bleibt -, darum, sage ich, hat der Teufel den Seinigen auch eine besondere Art von Geduld beigebracht, eine Geduld, vermöge deren sich Ehemänner, die um eine Mitgift erkauft sind oder in Kuppelei Geschäfte machen, der Gewalt ihrer Frauen unterordnen, eine Geduld, vermöge deren man, um kinderlose Leute zu fangen1, alle Beschwerden, welche eine gezwungene Anhänglichkeit auferlegt, mit erheuchelter Zuneigung erträgt; eine Geduld, welche den Bauchdiener2 in schmachvoller Abhängigkeit mit Aufopferung der Freiheit zum Sklaven seiner Freßgier macht. Das sind die Ziele der Geduld, [S. 59] welche die Heiden kennen, und für so schnöde Bestrebungen nehmen sie den Namen eines so großen Gutes in Anspruch. Sie leben in geduldiger Ertragung ihrer Nebenbuhler, der reichen Leute und ihrer Gastgeber - nur Gott allein können sie nicht ertragen. Doch lassen wir sie mit ihrer und ihres Fürsten Geduld! Das unterirdische Feuer harrt ihrer. Lieben wir dagegen die Geduld Gottes, die Geduld Christi; vergelten wir diesem die Geduld, die er für uns aufgeboten hat! Bringen wir als unser Opfer dar die Geduld des Herzens und die Geduld des Leibes, da wir ja an die Auferstehung des Fleisches und des Geistes glauben.

1: D.h. deren Hinterlassenschaft.
2: Die Schmarotzer.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Persönliche Schriften (Über das Pallium oder den Philosophenmantel, über die Geduld und an seine Frau)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger